Matthäus Bär

Über Leben – Metaphysische Familienansichten

Ein wöchentlicher Rückblick auf das Leben mit und unter Kindern. Um die lustigen Aspekte nicht zu übersehen, und auch was eigentlich alles geschafft wurde, trotz/mit/wegen all dem Alltag. Veröffentlicht via Facebook und Instagram.

KW 5-6/24
What a week! Geplant waren Ferien bei den Großeltern für die Kinder, emsiges Arbeiten und Zeit zu zweit für die Großen in der Stadt. Stattdessen gab es einen super entzündeten Katzenbiss samt Spitalsaufenthalt und fettesten Antibiotika. War nicht einmal bös gemeint von der Katze, eher ein kollegial-freundschaftliches Knabbern unten Gleichgesinnten. Blöd war’s aber trotzdem. In der selben Nacht hat der Nachwuchs dann mit mega Magendarmkotzerei losgelegt. Volles Programm. Für sinnstiftende Produktivität hat meine Energie dann nicht mehr gereicht in dieser Woche. Überleben eben. Aber damit mir von bestimmten Familienmitgliedern nicht wieder notorisches Trübsalblasen vorgeworfen wird – ich nenne keine Namen, Mama – hier auch noch was Positives: Gegen Ende der Woche waren wieder alle halbwegs fit und weil die Kinder sich schon lange einen Skiausflug gewünscht hatten und wir faulen Erwachsenen trotz aller Gegenargumente von Klima, Material bisKosten schlussendlich überstimmt wurden, waren wir am Berg. Und es war sehr lustig. Diesmal ist auch niemand im Krankenhaus gelandet, alle Knochen blieben heil und wir hatten einen schönen Tag mit recht okayen Schnee. Nur Aprés Ski haben wir verantwortungsbewusst ausgelassen. War aber gar nicht schlimm! 

 

KW 4/24
Traditionellerweise besuchen wir im ersten Monat des Jahres unsere Zahnärztin. Ich weiß, zweimal im Jahr ist empfohlen, manchmal schaffen wir das auch, oft vergessen wir’s aber, und dann ist’s eben wieder Jänner. Unsere Zahnärztin kennt die ganze Familie, sie ist sehr nett, eigentlich übertrieben lieb, und auch seeeehhhhhr genau. Das heißt, sie findet immer was zu tun in unseren Mündern. Toll! Meistens beginne ich mit meinen Aufwartungen in der Ordination, aus einem Termin mit Mundhygiene plus Kontrolle wird dann leider ab und zu ein Folgetermin, für eine Füllung oder sonstige Baustellen. Dann kommen die Kinder zur Kontrolle. Weil sie unterschiedliche Schulzeiten haben, zu unterschiedlichen Tagen, auch ab und zu mit Folgeterminen. Im Schnitt bin ich jeden Jänner so 5 bis 6 mal bei unserer lieben Frau Doktor. Besonders schön ist es, wenn du weißt, dein Nachwuchs hat irgendwo Karies, weil du dessen Zahnwerk nicht entsprechend gepflegt hast und ihn jetzt zum Bohrer führen musst. (Sorry, bei Kinderbehandlungen sagen wir statt Bohrer “Rumpler”, das kostet dann 25.- extra.) Mit schlechtesten Gewissen geleitest du deine Kinder zum Schlachten. Yeah! Bei meinem letzten Besuch war’s aber besonders schön. Ich hab gar keine Löcher, zur Sicherheit haben wir aber trotzdem Füllungen gemacht, damit nicht irgendwann Karies in meine “tiefen Fissuren” hineinkommen kann. Weil die Zahnärztin so lieb ist, nicke ich alles ab und zahle jeden Jänner mehrere hundert Euro. Von irgendwas muss die ja schließlich auch leben. Nächste Woche darf ich dann schon wieder mit den Kindern antanzen. Freu mich schon! Außerdem schweißen derlei Ausflüge auch die Familie zusammen. Vor allem die daran geknüpften, vorab ausverhandelten Shoppingtouren im Spielzeughandel. Quasi Ablasshandel den eigenen Fohlen gegenüber: Ich kümmere mich nicht immer anständig um dein Gebiss, Kind, dafür bekommst du ein Geschenk von mir. Fair enough! Wir müssen alle irgendwann die Zähne zusammenbeißen!

 

KW 1-3/24
Guten Morgen, neues Jahr! Wenn nach den Feiertagen die ambitionierten Vorsätze (Fitness, gesunde Workethics, etc) dann endlich über Board geworfen werden, kann der Alltag wieder beginnen. Am Ende der schulfreien Tage und 24/7 im engen Familienkreis hab’ ich mir schon sehr ein bisschen Me-Time gewünscht. Und weil Me-Time in unserer Welt aber meistens Zeit für Arbeit, Produktivität oder zumindest Haushaltstätigkeiten bedeutet, wünsche ich mir jetzt nach 1 1/2 Wochen Alltag wieder Ferien. Na ja, weiter drüben sind die Wellen eben immer etwas schöner. Der Jänner ist auch immer irgendwie der Monat der Tests, Schularbeiten, Abgaben und Deadlines. Der Montag des Jahres quasi. Und so ganz weißt du nie, was die neue Woche so bringt. Aufregend, aber auch ein bisschen gruselig. So wie alles Neue eben. Neu ist leider nicht mehr, sich beinah tagtäglich mit weiteren Krisen, Konflikten und Kriegen auseinanderzusetzen. Aber auch da hilft, ein bisschen Hoffnung zu bewahren, die Gläser eher halbvoll als ganz leer zu betrachten. Zuhören, miteinander reden, zu reflektieren, zu evaluieren, die eigene Positionen zu hinterfragen – ist zwar oft anstrengend und kostet Kraft, lohnt sich aber eigentlich immer. The light side will prevail. Amen! Eine guten Start wünscht Pastor Bär.

 

KW 51/23
So, jetzt liest die Großtochter hier auch mit. Beste Grüße an dieser Stelle! Das heißt, muss ab heute aufpassen, was ich hier schreibe. Aber gibt eigentlich eh nicht wirklich was Aufregendes zu berichten. Sind alle mehr oder weniger krank. Wir alle mit nur einem Strich am Test, bei mehreren Kontaktpersonen aber durchaus zwei. Ha, die Gruselbegriffe der letzten Jahre sind zumindest phonetisch wortverwandt: K1 und KI. Hoffentlich mutieren sie nicht irgendwann zu künstlichen, kranken Kontaktpersonen! Beep-Beep-ich-bin-infiziert! (Sorry for that!) Nächstes Jahr wird schon aufregender, mein erstes, größeres Buch erscheint. Bin schon sehr gespannt, was/wie/wo alles passiert. Wahrscheinlich bleibt eh alles ziemlich beim Alten, ist aber auch in absolut in Ordnung so. Wünsche daher schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr! So good, so long!

 

KW 49-50/23
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und langsam auch die elterlichen Energien. Irgendwie haben alle Stress – Deadlines, Abgaben, Texte, Schularbeiten, Tests, Hausputz, Geschenke, Planung, you name it. Kann sein, dass es die Weihnachtsfeiertage nur gibt, um sich vom Vorbereitungswahnsinn zu erholen? Es ist halt nicht umsonst die “finsterste Zeit des Jahres”. Finster schaut uns auch die Großtochter zur Zeit an. Weil sie gern Instagram hätte und wir es nicht so cool finden. Ist auch offiziell erst ab 16 Jahren erlaubt, was sie dezidiert selbst noch nicht ist. Aber diese und jene aus der Klasse dürfen, und es ist so toll, mit so vielen lustigen Videos. Eben! Kind, wir wollen dich doch nur schützen! Das Internet ist böse. Und das beste zugleich. Kann es ihr nicht verübeln, aber muss es unbedingt sein? Schwierig. Glaube, es ist wichtig, dass die Diskussionen auf Augenhöhe bleiben, was sie derzeit sind. Noch. Bald ist ihr eh völlig schnuppe, was wir sagen. Zurecht. Hab eigentlich nur Angst, dass sie dann bald liest, was ich hier über unser gemeinsames Leben so verzapfe. Deshalb stell ich mir, wie zu jedem Jahresende, die Frage: Warum und für wen mach ich das überhaupt? Let me know! Please!

 

KW 47-48/23
Habe mich freiwillig beim “Berufsspeeddating” in der Schule der Großtochter gemeldet. Dachte, es ist vielleicht hilfreich, auch Berufsbilder vorzustellen, die eventuell ein bisschen abseits des “normalen Radars” sind.  Einfach um das Spektrum an Möglichkeiten zu erweitern. Davon abgesehen, tu ich mir selbst ja nach wie vor schwer, meinen Beruf, oder das, womit ich mein Auskommen finde, selbst in Worte zu fassen. Oder überhaupt zu fassen. Dachte, das wäre vielleicht auch eine gute Übung für mich. Tatsächlich war’s dann recht ernüchternd. Die Tochter hat sich sichtlich geniert für mein Geschwurbel über Kreativität und der Freude am sich Dinge ausdenken, bla bla bla. Die anderen Kindern haben einen vorgearbeiteten Fragenkatalog runtergerattert: Wie viele Wochenstunden, welche Arbeitszeiten, wie viel Urlaub, welche Ausbildung, wie viel Einkommen, und so weiter – auf jede zweite Frage musste ich antworten: “Kann ich so nicht sagen, ist immer komplett unterschiedlich.” Im Endeffekt wurde auch mein “kreativer Beruf” anhand von Zahlen ratifiziert und ich hatte extrem das Gefühl, mich vor den desinteressierten Halbstarken rechtfertig zu müssen. Meine Mission, berufliche Werte vorzustellen, die sich ein klein wenig den kapitalistischen Prinzipien entschließen, ist sichtlich gescheitert. War auch gar nicht möglich. Nach Freude, Zufriedenheit oder persönlicher Erfüllung wurde nämlich gar nicht gefragt. Den Kindern wird von Anfang an eingebläut, dass Befinden und Fühlen wenig bis gar nichts zählen im Leben. Schon schade. Aber eh nicht alle. Ein paar gibt’s dann schon immer, die über das Offensichtliche hinausblicken. Und ganz so peinlich, wie angenommen, war ich der Tochter dann doch nicht. “Es war okay!” Hooray!  Eine Frage konnte ich übrigens auch eindeutig beantworten: Ob ich in dem Feld tätig bin, dass ich mir ursprünglich gewünscht hatte? Hell Yeah! Absolut!

 

KW 46/23
Waren letztens wieder mal auf einem Rockkonzert. Die alte Tochter wollte nicht mitkommen, war ihr zu uncool, obwohl sie die Band jetzt im Nachhinein für sich entdeckt hat. Hätte aber eh keine Tickets mehr gegeben, war ausverkauft. Der Altersschnitt war sehr lustig durchmischt, von Boomern über Millennials bis zu Gen Z und Alpha war alles vertreten. Der Anfang zwanzigjährige und mir zufällig bekannte Türsteher hat das trotzdem so zusammengefasst: “Viel alte Leut’ da heute, so in deinem Alter!” Thanks, Buddy! Das willst du hören, wenn du einmal mit deiner Lieblingsperson ausgehst, Kinderbetreuung organisierst, und dich für einen Abend luftig, leicht und lebendig fühlen möchtest. Aber eh in Ordnung. Immerhin war ich schon live dabei, als das deutsche Jugendwort des Jahres “Gammelfleischparty” war. Jetzt könnt’ ich da schon selber teilnehmen. Aber halt, du bist immer nur so alt, wie du dich fühlst……also, noch älter! Spaß beiseite, im Gegensatz zu früher, weiß ich heute, dass das Leben mit Mitte Dreißig noch nicht vorbei ist. Es ist anders, aber es geht weiter. Und du weißt, du wirst die Welt nicht mehr im Sturm erobern. Gut so! Let there be rock!

 

KW 42-45/23
Long time no read, dazwischen war einfach zu viel los, Leben, Buchmesse, Recordings – und Herbstferien inklusive exklusiver Kinderbetreuung. Mit der Jüngeren waren wir am Bauernhof, es hat ihr und eigentlich auch uns sehr gut gefallen. Schon ganz gut, ab und zu zu sehen, dass unsere täglichen Lebensmittel nicht einfach von Zauberhand im Supermarktregal auftauchen. Umso absurder allerdings, wenn du über die Transport- und Handelswege nachdenkst, die zum Beispiel ein Liter Milch fährt, bevor er verkocht oder getrunken wird. Das entbehrt nämlich jeder Logik, bzw. nur einer nicht, nämlich der des günstigen Preises. Es läuft schon so einiges schief in dieser Welt. Ist das noch normal? Normal sind jedenfalls für unsere Kinder mittlerweile Kriege und Krisen. No more words needed. Aktuell gibt es auch erstaunlich viele private Krisen und Trennungen in meinem Umfeld. Eh ein alter Hut, mit Anfang/Mitte 30 trennt sich die Spreu vom Weizen sozusagen, Kinderwünsche prallen auf anderweitige Träume und Vorstellungen, Realitäten verschieben sich. Trotzdem immer tragisch. Wünsche allen nur das Allerliebste, und dass sie ihre Wege finden mögen. Gilt sowieso für alle und immer!

 

KW 39-41/23
So, wieder dekonstruiert sich die Zivilisation ein Stück weiter. Noch ein Krieg. Als halbwegs aufgeklärter Mensch fragst du dich immer öfter, ob es wirklich klug war, gerade in diese Welt Kinder zu setzen. Was bleibt ihnen, wenn wir damit fertig sind? Chaos, Ressourcenknappheit, Zerstörung, Ausbeutung? Naja, immerhin gibt es noch die Hoffnung, dass die Jungen es besser machen. Sofern sie dann noch was zum Bessermachen haben. Grundsätzlich wird es aber zunehmend schwieriger, sich die Menschen – wie bei den Star Trek’schen Utopien  – als Spezies vorzustellen, die Neid, Gier und Egomanie zugunsten von Solidarität und Zusammenhalt hinter sich gelassen haben. Gewalt, Mord und Tod kann nie die Antwort sein. Punkt. Unsere Anteilnahme, unsere Solidarität und unser Zorn gehört den Betroffenen, insbesondere der israelischen Bevölkerung. Was ich mich nur frage, ist, ob die einzige mögliche Antwort auf Terror ebenfalls Gewalt und Krieg sein muss? Oder gibt es andere Strategien, andere Formen einer Antwort, eines entschlossenen Entgegentretens, das nicht weniger stark und eindeutig sind? Ich weiß es ehrlicherweise nicht. Geglaubt hatte ich, dass die Menschheit schon eine Spur weiter ist, dass sie aus der ewigen Gewaltspirale aussteigen kann. Allein die europäischen Kriege zeigen anderes. Erschreckend. Aber wie gesagt, die Hoffnung bleibt, solange wir sie hochhalten. Sollten wir auch!

 

KW 38/23
Sehr gern mag ich die ein bissl gezwungen Gespräche mit anderen Eltern beim Abholen, am Spielplatz oder bei sonstigen gemeinsamen Aktivitäten. Alle bemühen sich, niemand will super ungut sein. Weil ja die Kinder in ihren Institution noch möglichst lang miteinander auskommen sollen. Klar, je älter das Kind, desto weniger Kontakt mit den anderen Eltern, aber das gegenseitige Abtasten bleibt immer recht gleich: Ja niemandem auf die Füße steigen, keine allzu politischen Diskussion anreißen, möglichst neutrale Themen finden. Ein daher sehr beliebtes Topic ist körperliche Ertüchtigung. Darauf können sich fast alle Ü30-Leute immer einigen. Dankbar erzählen wir uns, wer welche Sportart, welche Übung und in welchem Rhythmus macht. Alles nur, um den rapide einsetzenden körperlichen Verfall ein bisschen hinauszuzögern. Die einen fahren Rad, die anderen laufen, manche machen Gymnastik. Fitnesstracker werden verglichen, Herzfrequenzen bewundert, und natürlich wird auch geschwindelt, wenn es um die eigene Leistungsstatistik geht. Zusammengefasst heißt das: Es geht eh allen gleich – Eltern sind erschöpfte Geschöpfe, ausgebrannt, mit Rückenschmerzen, und aufgerieben im ständigen Versuch zwischen Betreuung-, Arbeits- und Haushaltszeiten auch noch ein paar Minuten für den eigenen Körper zu finden. Welcome to the middle age. Ah, da sind ja schon die Kinder! Ciao, baba, bis morgen!

 

KW 36-37/23
Anfang September ist auch Elternabendzeit. Im Schulforum und bei Infoabenden werden Lehrpersonen vorgestellt, geänderte Abholzeiten diskutiert und auf sonstige Neuerungen im kommenden Semester hingewiesen. Nach fast zehn Jahren in elternverwalteten Kindergruppen schreckt mich grundsätzlich wenig. Aber trotzdem immer wieder gut, so einen kleinen reality check zu bekommen. Schule ist halt auch nur ein Abbild der Gesellschaft. Beziehungsweise des Systems in dem wir leben. Es ist absolut absurd, dass (eh freundlich) darum gebeten wird, Mädchen sollen bitte keine bauchfreien Shirts und zu kurze Miniröcke tragen. Weil es sonst zu komischen Blicken der älteren Schüler kommen kann. Und damit auch manchen Lehrern (!) nichts nachgesagt werden kann, soll das bitte einfach durch angemessen Kleidung vermieden werden. Dass das Problem vielleicht eher an den gaffenden Typen, und nicht am Gewand liegt, wird dann halt leider nicht diskutiert. Auch meine Frage, ob die Burschen dann auch nichts bauchfreies tragen sollen, wird gutmütig weggelächelt. Sorry, aber fuck you! Nicht die Lehrenden per se, einfach wie da allgemein gedacht wird. Von den anderen Eltern fand das übrigens auch niemand befremdlich. Gleichzeitig sollen die “Mädels” sich dann aber schon auch “fesch” machen, wenn sie heuer Bewerbungsgespräche üben werden, die Buben anscheinend nicht. Noch einmal, fuck you! Aber eben, reality strikes back! Meine Blase ist halt auch nicht alles. Trotzdem irgendwie ernüchternd. Da sind mir dann fast auch schon die Eltern wurst, die vor 200 anderen Eltern erklären, wie genau ihr persönliches Zeit- und Arbeitsmanagement nicht mit den neu verhandelten Abholzeiten übereinstimmt. Als ob nicht alle anderen 200 die selben Probleme hätten. Aber ja, wir leben halt im Zeitalter der Empörung. Könnt mich schon wieder aufregen!

 

KW 34-35/23
Der Sommer ist am Ende, wir auch ein bissl, die ersten Wetterumschwünge haben schon einen Herbstvorgeschmack in Form von Verkühlungen und Husten gebracht. Jippie! Waren auch noch kurz campen, war sehr schön, es hat wie immer durchgeschüttet. Highlight war, dass die Infantin das Versprechen einer durchwachten Nacht gleich bei dieser Gelegenheit eingelöst hat: nach stundenlangem Dauervorlesen im Dauerregen konnte ich irgendwann nach Mitternacht einfach nicht mehr, und hab ‘ ihr gesagt, sie kann gern aufbleiben, ich muss jetzt aber schlafen. Für sie war das total ok, sie hat noch 2 Sätze allein gelesen und dann selbst ihre Taschenlampe ausgeschaltet. Das “die ganze Nacht wachbleiben” war also nur ein sehnlicher Wunsch nach Selbstbestimmung, wann der Tag zu Ende ist. Aber jedenfalls gut, können wir also abhaken, ist somit erledigt. Überhaupt haben wir recht viel von unserer Sommer-Wanna-Do-Liste geschafft: Ans Meer, ins Museum, zuhause bleiben, usw….nur mit den Fingern pfeifen hab’ ich nicht gelernt. Aber zwei Tage hab’ ich ja noch! Pffffft! Pffffft! Pfifft!

 

KW 33/23
Wahnsinn wie viel weniger Essen und Geschirr wir verbrauchen, wenn die Kinder nicht da sind. Übermäßig große Esser:innen sind unsere  jetzt auch nicht, aber sie sind seit ein paar Tagen bei den Großeltern am Lande und wir waren inzwischen erst einmal einkaufen. Sonst undenkbar! Erholsam auch, wenn du einmal gemütlich Zeit für alles hast und dich bei der Arbeit nicht zwischen Deadline und Abholungszeit aufreiben musst. Und wie schön, wenn du abends entspannt was mit deinem zwischenmenschlichen Erwachsenengegenüber unternehmen kannst. Wir waren sogar im Kino! Crazy!  Gleichzeit ist’s auch komisch. Irgendwie….leer? Niemand unterbricht mich beim Reden, das Wohnzimmer bleibt tagelang aufgeräumt, keine Schmutzwäsche liegt im Wege! Da fehlt doch was! Aber nicht die Arbeit für den Nachwuchs, sondern das Gemeinsame, der Austausch, das zusammen Erleben. Oh my, was bin ich für ein sentimentaler Tropf! Zeit, die Kinder abzuholen, genug geurlaubt, euren Eltern ist fad!

 

KW 32/23
Kaum zurück, hat uns auch gleich die Speiberei erwischt. Yeah! Aber als geübte Obsorgeperson musst du da entsprechend Größe zeigen und sowas entspannt weglächeln. Und schau an, diesmal ist der Kelch – bzw. der Kübel – an uns Erwachsenen vorüber gegangen. Auch ein Erfolg! Tja, letzte Woche hab’ ich noch über die Hitze gejammert, und jetzt ist mir die sommerliche Kälte auch nicht recht. Wie’s gemacht wird, ist es falsch. Das ist ja nicht … hm, normal! Kleiner Scherz, aber normalerweise wäre die Weltwetterlage auch nicht so ganz extrem, wenn die politischen Verantwortlichen nicht so extrem abartig wären, und “normaldenkende” Menschen, die unseren Planeten retten möchten, als Extremisten bezeichnenden würden. Verdammt normal, ….äh, nochmal! Jetzt bin ich erst recht verwirrt. Die Großtochter ist inzwischen so groß, dass sie abends mit uns die selben Serien binged. Zurzeit zieht sie sich alle Staffeln “Friends” rein. Bin nur ein bisschen froh, dass ihr Englisch noch nicht ganz so perfekt ist, und ich nicht jeden homophoben und sexistischen Witz erklären muss. Immerhin die Mode hat sich gehalten, frisurentechnisch ist das 1:1 der Look, den die Jungen heutzutage auf der Straße präsentieren. Auch schön, und ganz normal!

 

KW 31/23
So, back to business. Urlaub war sehr schön. Und ehrlicherweise auch sehr anstrengend. 24/7 ausschließlich miteinander abzuhängen hat mich zwischendurch ein bisschen an – huch – Lockdown erinnert. Zwar mit Schwimmen dazwischen und ohne Mundnasenschutzmaske, aber trotzdem ein wenig….intim das Ganze. Vielleicht auch, weil die Kinder mittlerweile eine Größe haben, die nicht mehr ganz so einfach auf ein Beistellbettchen passt. Und weil sie trotzdem noch bespaßt werden wollen, mussten wir Erwachsenen uns zwischendurch ausverhandeln, wer jetzt als nächstes durchschnaufen, was lesen oder kurz allein ins Wasser gehen darf. And yes, I know, privilege problems! Komme zudem auch in das Alter, in dem mir die Hitze zu schaffen macht. Ein paar Grad heißer und ich bin komplett streichfähig. Damn you, Klimakrise! Wobei wir da wieder im Glashaus wären, bezüglich Flugtourismus und so weiter. Aber Urlaub ist grundsätzlich schon eine feine Sache. Hatten auch eine gute Zeit gemeinsam, viel gelacht, viel erlebt und viel gegessen. Der Pre-Teeanger wird immer mehr zum Full-Teenager und hat schon den Barbiefilm gesehen (Urteil mäßig). Ich war dafür mit der Infantin im Kino und habe Ladybug dabei beobachtet, wie sie den Hass der Welt dank ihrer Superkraft in Liebe verwandelt hat. Auch schön! Save the planet, save the people! Bussi!

 

KW 26-28/23
In den letzen Wochen keine Zeit für spaßige Zeilen hier – jetzt aber, wie unschwer zu erkennen ist, endlich Urlaub. Davor, neben Bespaßung von Nachwüchsen und Haustieren: Fertigmachen, abschließen und erledigen. Glaube überhaupt, Urlaub wird vor allem zur Erholung von den 3-4 Tagen vor dem Urlaub gebraucht. Als gäbe es nach Urlauben keine Zeiten mehr, müssen Projekte unter Dach und Fach, Rechnungen beglichen und Wohnungen in Schuss gebracht werden. Erst wenn dann alle komplett fertig, gestresst und aufgeregt sind, kann es ab in die Ferien gehen. Aber eh Luxusjammern, sowieso. Dazwischen diskutieren, ob Flugreisen überhaupt noch in Ordnung sind, so generell, oder eine im Jahr noch vertretbar, vertretbar vor was überhaupt, und dass Urlaub grundsätzlich ein Privileg ist, am Meer vielleicht noch mehr sogar, wie wir mit den Privilegien umgehen sollen, wie wir den Kindern einen reflektierten Umgang damit beibringen, dass wir vielleicht doch kein schlechtes Gewissen haben sollten, weil wir immerhin unser Geld bei lokalen Familienunternehmen ausgeben und nicht bei multinationalen Konzernen, und ob wir es wirklich schaffen, zwei Wochen nur Gegrilltes oder Frittiertes zu essen und so weiter und so fort…. Neben allen derartigen Überlegungen beschäftigt mich, dass mich meine Partnerin neuerdings scherzhalber „Hubby“ nennt. Bin mir nicht sicher, ob ich das eh lieb finde, oder doch eher supercringe. Werde intensiv darüber nachdenken und mich nach dem Urlauben wieder melden. Schöne Zeit euch!

 

KW 25/23
Habe der Jüngeren in einem unbedachten Moment vor langer Zeit versprochen, dass ich mit ihre eine ganze Nacht wach bleibe. Meine Hoffnung, sie vergisst dieses Versprechen, hat sich natürlich nicht erfüllt. Immerhin konnte ich die Durchführung des nächtlichen Abenteuers bis in die Sommerferien schieben. Mit dem Argument, dass ein derartiges Unterfangen mindestens zwei freie Tage Vor- und zwei freie Tage Nachbereitung benötigt. Ist auch nicht gelogen, für eine durchwachte Nacht brauch’ zumindest ich mit Sicherheit zwei Tage Erholung, um wieder halbwegs geradeaus denken zu können. Jetzt ist es aber soweit, und ich komm’ nicht mehr aus. Demnächst steht das lange Aufbleiben bevor. Ich glaub’, sie stellt es sich extrem spannend vor, quasi ein Forschungsprojekt, um endlich Licht in jene finsteren Zeiten des Lebens zu bringen, die ihr bis jetzt immer vorenthalten wurden. Hoffe, sie ist nicht allzu sehr enttäuscht, wenn es dann außer anstrengend auch noch eher langweilig wird. Ich hätte gern einen Ausflug unternommen, Waldspaziergang im Finsteren, oder Nachführung im Zoo. Aber das war dann doch zu gruselig. Stattdessen hat die Größere – liebend gern – eine lange Nacht des Films vorgeschlagen, und auch schon eine entsprechende Filmauswahl getroffen. Soll mir recht sein, kann ich wenigstens heimlich daneben schlafen. Werde dann hier berichten, wie’s gelaufen ist. Gute Nacht einstweilen!

 

KW 24/23
Die Infantin braucht einen neuen Pass. Die Ähnlichkeit zum Babyfoto im alten Reisedokument (eh auch schon längst abgelaufen) ist nämlich nur mehr für Eingeweihte erahnbar. Pünktlich zum ausgemachten Termin – ohne Termin trau ich mich sowieso nicht mehr aufs Amt – wurden wir schon mal mit Unglauben begrüßt. “Was, noch wer um 15:00?” Tja, was soll ich sagen? Wir hatten natürlich keine Geburtsurkunde mit. Steht auch nicht auf der Website unter “notwendige Unterlagen”. Aber gut, schick ich per Mail, kein Problem. Nachweis der Obsorge hatte ich allerdings auch keinen dabei (das steht auf der Website, als ganz kleiner Link ganz unten, hab’ extra nachgeschaut). Hab’ gedacht, dass brauch’ ich als eingetragener Partner der Kindesmutter nicht. Falsch gedacht. “Partnerschaft? Das gilt da nicht.” Finde zwar schon, dass das gilt, aber ok. Muss also die Kindermutter extra antanzen und den Antrag auf Neuausstellung eines Passes unterschreiben. Warum auch immer die dafür keinen Nachweis für ihre Mutterschaft braucht. Weil in der Geburtsurkunde steh’ eh auch ich drin. Als Vater nämlich. Aber anscheinend ist leibliche (!) Mutterschaft in den Augen der Verwaltung noch immer das höchste der Gefühle und anderweitiges Elternsein nicht ebenbürtig. Bezeichnend, wie ich finde. Und ja, I know, ich hätte die Obsorge schon vor 12 Jahren anmelden können. Werd’ ich demnächst machen. Mamma mia!

 

KW 23/23

In drei Wochen beginnt (zumindest in Wien) wieder die Zeit der 24/7 Kinderbetreuung. Selten bist du deinem Kind so nah wie in den Ferien. Einfach schön! Das mein’ ich völlig ernst und sarkastisch leidend gleichermaßen. Da heißt es dann wieder flexibel sein. Als selbstständig arbeitender Mensch bedeutet das übersetzt: Hoffen, dass das Geld reicht und bis Anfang September nicht übermäßig viel zu tun ist! Scherz beiseite, Sommer ist eh super. Freu mich schon auf den Urlaub und die Zeit an/in der alten Donau. Und Insel muss Insel bleiben! Ganz egal, ob Griechenland oder Wien-Donaustadt. Nackte, Verrückte und Gelsen findest du da wie dort. Und ob du bei der Anreise im Urlaubsflieger zwischen besoffenen Briten oder in der überfüllten U6 steckst, ist auch ziemlich das gleiche. “Irgendwann bleib’ ich dann dort” gilt immer so lange, bis die Kinder Hunger haben, nach Eis schreien oder du in Möwen- bzw. Schwanenkacke trittst. Uh, sommer lovin’, happens so fast!

 

KW 22/23
Letztens das Kompliment bekommen, dass ich so gesund ausschaue, wie noch nie. Hab’ das auch durchwegs positiv gesehen, vielen Dank! Im Vergleich zu früher achte ich auch tatsächlich mehr auf meinen Energiehaushalt und meine eigenen Grenzen. Hat eine Zeit gedauert, aber ich muss mich nicht mehr vollends verausgaben, um mich “wertig” zu fühlen. Vier intensive Drehtage für ein (Musik-)Video später ist Fit-Bär allerdings schon wieder Geschichte. Ringe unter den Augen, Kreislauf am Ende, Matsch im Hirn. Glaube aber, das liegt weniger an mangelnder Achtsamkeit, als vielmehr am fortgeschrittenen Alter. Mehrere Tage von sieben bis sieben “durchzudrehen” und dann bis Mitternacht an der Bar sitzen, geht sich halt einfach nicht mehr aus. (SSKM hätten wir früher gesagt!) Aber eh auch lustig, irgendwann kommt einfach der Zeitpunkt, an dem du dir eingestehen musst, dass du nicht mehr vorn dabei bist, und es auch nicht mehr sein wirst. Embrace the cringe! In Würde peinlich sein, ist schließlich auch eine Kunst. Oder um es mit einem Songtext zu sagen: “Die allerschlimmsten Typen waren die Alten an der Bar – heute steh’ ich selber hier und merk’, all das ist wahr!”

 

KW 21/23
Ende Mai ist der traditionelle Zeitraum der Schul-, Kindergarten- und sonstigen Vereinsveranstaltungen. Besucht dein gesammelter Nachwuchs zusammengerechnet mehr als eine derartige Institution, nimmst du dir am Besten ab 20.5. prophylaktisch frei. Diese Woche hatten wir ein Sommerfest im Hort, Elterngespräche, ein Schulfest und einen Benefizlauf für den Regenwald. Nächste Woche dann das nächste Hortfest, eine Projektpräsentation, einen weiteren Regenwald- und den Frauenlauf. Die Theateraufführung am Dienstag schaffen wir beim besten Willen nicht, da springt dankenswerterweise die Schwiegermutter ein. Als engagierteres Elternteil möchtest du natürlich gern bei möglichst vielen dieser Veranstaltungen dabei sein – nicht weil du so heiß auf die achte Playback-Vorführung von “We are the Champions” bist, aber weil du deinem Kind signalisieren willst, dass du dich interessierst, dass du präsent bist, dass du da bist. Eh logo. Und daneben mit anderen Eltern tratschen, und/oder Spritzer trinken kann in den meisten Fällen auch ganz nett sein. (Manchmal ist natürlich gerade das das Schlimme, aber wir gehen selbstverständlich vom Best Case aus.) Alles auch schön und gut, aber wie sich das mit Arbeit, Me- und We-Time bei Beginnzeiten von 15:00 bis 16:00 langfristig ausgehen soll, weiß ich leider auch nicht. Sind aber nur 2-3 Wochen im Jahr und danach gibt’s ja Sommerferien. Da kannst du dich dann gut erholen, während deine Kinder im Homeoffice um dich herumspringen. I know, Katzenjammer! Grundsätzlich gilt nämlich: Schon auch ziemlich super, dass es nach 3 Jahren Pandemie wieder derlei Feste zu feiern gibt!

 

KW 20/23
Wenn meine Tochter demnächst Geburtstag hat, ist sie näher dran an dem Alter, mit dem ich ihr Papa wurde, als ich selbst. Eh keine Überraschung, die Gesetze der Mathematik lügen nicht, mich hat es trotzdem ein bisschen zum Nachdenken gebracht. Nicht wegen dem älter werden, sondern weil ich stark bezweifle, dass ich in weniger als 10 Jahren meine Kinder in dem Ausmaß unterstützen kann, in dem ich selbst von meinen Eltern unterstützt wurde. Klar, emotional und handwerklich sowieso. Und auch immaterielle Güter sind natürlich Privilegien, also Know-How, Kontakte und Netzwerk (sollten sie das jemals brauchen). Aber finanziell? Da schaut’s schon anders aus. Meine Eltern haben mir zum Beispiel (mehr oder weniger) ein ganzes Studium ermöglicht. Diesen Favour werd’ ich meinen beiden Kindern eher nicht bieten können. Muss ja auch nicht sein, wer weiß, welche Wege sie überhaupt einschlagen wollen. Who knows was in 5,6,7 Jahren ist? Die Zukunft der Jüngeren ist eine andere als unsere Zukunft von damals. Wenn sie etwa Banker:innen werden, könnten sie mir was borgen. Und vielleicht gewinn’ ich einmal im Lotto, dann kann ich meinem Nachwuchs nicht nur emotional, sondern auch monetär unter die Arme greifen. Viel wichtiger als alles Geld ist – glaub’ ich – für sie da zu sein.

 

KW 19/23
Ohne jetzt zu viel für Eltern mit jüngeren Kindern zu spoilern, aber das Zusammenleben mit (Prä-)Pubertierenden gleicht mitunter dem berühmte Ritt auf dem Pulverfass. Living on a prayer, sozusagen. Plötzliche Gefühlsausbrüche haben natürlich auch Kleinere, meistens stehen die aber in einem relativ rational erklärbaren Zusammenhang. Bei den jungen Heranwachsenden macht die Randomness der Emotionsentladungen ein kulantes Begleiten manchmal etwas … äh … herausfordernder? Ursache und Wirkung stehen nicht mehr in einem nachvollziehbaren Verhältnis zueinander. Beim Mathebeispiel stimmt die fünfte Kommastelle nicht mit der Lösung überein? Du wirst von deinen Erziehungsberechtigten gebeten, deine Schmutzwäsche zumindest in die Nähe des dafür vorgesehenen Behälters zu werfen? Deine jüngere Schwester weist dich liebevoll darauf hin, dass es regnet und du vielleicht besser eine entsprechende Jacke anziehen solltest? Alles Gründe für den absoluten Weltuntergang, Sodom und Gomorrha! Teilweise beeindruckend, aber eh ok so. Verständlich auch, weil eben Star Wars der Hormone. Und genauso schnell wie sie aufziehen, verschwinden diese Stürme auch schon wieder. Musst du aushalten, als Erwachsener, große Kinder sind schließlich auch nur Menschen. Solang außer zerrissenen Zeichenblättern nichts zu Bruch geht, ist alles in Ordnung. Let there be rock, wo gerockt werden muss!

 

KW 18/23
So, das letzte Bär-Konzert ist über die Bühne gegangen! Danke an alle, die mit uns gefeiert haben, und danke auch an die Wettergöttin, die bis nach dem Auftritt gnädig war. Und auch wenn mir das jetzt die wenigsten noch glauben, Konzerte für ausschließlich Kinderpublikum wird’s keine mehr geben – eigentlich war ja schon letztes Jahr Schluss mit lustig. (Ok ok, eine vor langer Zeit ausgemachte Schulveranstaltung in Villach ist noch ausständig, das holen wir demnächst nach). 10 Jahre Bär sind aber ein guter Zeitpunkt, um den eigenen Fokus neu zu kalibrieren. Auf lang liegengebliebene Wünsche, auf die Zukunft, auf die Gegenwart und auf sich selbst zum Beispiel. Es ist wie mit den Kindern: einerseits herrscht natürlich ein bissl Wehmut, dass sie nicht mehr klein und süß und hilfsbedürftig sind. Andererseits ist’s schon auch super, so große, relativ autonome und selbstbestimmte Mitbewohner:innen zu haben. Ein lachendes und ein trauriges Auge eben. Es ist halt genau richtig, so wie’s ist. Da gilt es, nicht allzu lang dem Gewesenen nachzuhängen, sondern sich auf das Kommende zu freuen. Ich freu’ mich zum Beispiel auf kommende Projekte, auf neue Ideen, auf’s Scheitern und Weiterversuchen. Und darauf, euch bei (anderen) Konzerten zu sehen. Ich bemüh’ mich, noch dieses Jahr was auf die Beine zu stellen. Also, so long, yours truly, Bär!

 

KW 17/23
War letzte Woche erstmals auf der Leipziger Buchmesse. Ziemlich anstrengend, weil zu viele Menschen, laut und weite Wege, aber trotzdem spannend. Wage zwar zu bezweifeln, dass sich dort Deals und Kollaborationen anbahnen, die nicht auch per Mail oder Telefon abgewickelt werden könnten – schließlich geht’s aber auch mehr um das Drumherum. Den schon bekannten Namen Gesichter geben, Leute kennenlernen, netzwerken wie Spiderman eben. Und ja, es geht auch (nicht zuletzt weil Österreich Gastland war) um gemeinsame Weine und Averna an der Bar. Ein bisschen wie wenn du auf Klassenfahrt bist, und bei der Party am Abend erstmals bemerkst, dass die Kolleg:innen aus der Parallelklasse durchaus mehr als okay sind. Du siehst sie täglich in die Klasse nebenan schlurfen, aber erst durch die veränderte Umgebung, durch das gemeinsame Abenteuer, nimmst du sie als potentielle Freund:innen wahr. Dein soziales Sensorium ist anders eingestellt, so ohne Alltagswege und Pflichten. Out of the box, into the Messehalle also. Natürlich ist Messe auch ein Schaulaufen, ein Anbieten und Präsentieren. Teilweise ziemlich absurd. Frage mich zum Beispiel noch immer, warum der engagierte Blasmusikinstrumentenbauer auch einen Stand auf der Buchmesse hatte. Wegen der geteilten Zielgruppe an Interessierten vielleicht? Lustig sind auch die Chatverläufe, wenn du dich mit jemanden verabreden willst: “Bin da.” “Ich auch.” “Wo?” “Neben dem Handbrot?” “Handbrot?!” “Diese gefüllten Teigdinger, neben dem Espressomobil.” “Okay, geht sich jetzt nicht mehr aus, muss zum nächsten Termin.” “Passt, bis später.” In diesem Sinne hoffe ich, ich seh’ auch alle am 06.05. im Wiener Museumsquartier, letztes Live-Konzert, gleich neben dem großen, grauen Museum.

 

KW 16/23
Weil ich letzte Woche ein paar mal gefragt wurde, hier noch mal ein kurzes Statement zum Ende des (Kinder-)Bären: Es gibt nicht den einen Grund, warum ich zukünftig keine (reine) Kindermusik mehr machen möchte. Nach ziemlich genau 10 Jahren braucht es einfach eine kleine Veränderung. Nicht dass ich Kinder jetzt weniger oder mehr mag, es hat auch gar nichts mit dem Publikum zu tun. Vielmehr ist es – für mich ganz persönlich – an der Zeit, ein paar neue Wege einzuschlagen, künstlerisch, technisch und inhaltlich. Wobei, inhaltlich kann ich eh immer nur das machen, was aus mir kommt. Von daher wird sich vielleicht auch gar nicht mal so viel ändern. Und die Lieder gibt’s ja weiterhin, die lässt ja niemand verschwinden. Eventuell kommt auch heuer schon was neues zu hören, Bär 2.0 sozusagen, langsame Songs eher für verzweifelte Eltern und Erwachsene – how about that? Und der Kinderkultur und -unterhaltung bleib’ ich sowieso erhalten, zum Beispiel mit den kommenden Büchern, oder was auch immer die Zukunft sonst noch bringt. Shoutouts jedenfalls wiedermal an meine langjährige und treue Bärenbande, allen voran Meister Wieser und Pistole Pete! Die beiden werden auch am 6.5. im Wiener Museumsquartier dabei sein, wenn wir (zum wirklich letzten Mal) das Beste aus 10 Jahren Kinderhits zelebrieren. Eintritt frei, seid dabei! Bussi!

 

KW 15/23
Gleich einmal Shoutouts an die mir unbekannte Dame, die mir bei einer Veranstaltung gesagt hat, sie liest hier regelmäßig mit und weiß daher immer, wie’s mir gerade geht. Werde ab jetzt besser aufpassen, welche Intimitäten ich hier preisgebe. Nein, Scherz, natürlich nicht, freue mich sehr, wenn meine Lamentationen auch Menschen lesen, die nicht direkt mit mir verwandt sind. Danke an dieser Stelle für die Likes, Mama! Shoutouts auch an den mir bekannten Musikveranstalter, der gemeint hat, ich hätte mit der Kindermusiksache wesentlich mehr Geld verdienen können. Why, oh Lord, sagst du mir das erst jetzt? Apropos Geld, muss und darf hier erstmals verkünden, dass wir nach dem Farewell-Konzert vergangenen Dezember doch noch einen allerallerallerletzten Auftritt mit der Little Hipster Band geben werden. Habe ein unmoralisches Angebot bekommen, das ich als verantwortungsbewusster Familienmensch selbstredend angenommen habe. Sex sells eben. Wer also schon wieder oder noch einmal die Bärenband live sehen möchte, sollte sich am 6. Mai nachmittags in Wien nähe Mariahilferstraße aufhalten. See you!

 

KW 14/23
Im letztwöchigen Falter spricht der Gerichtsmediziner Christian Reiter über die Empfindsamkeit von kunsttätigen Menschen und dass diese – weil die Empfindsamkeit in der Regel auch ihr Kapital ist – oftmals besonders mit dem gesellschaftlich akzeptierten Leistungsdruck zu kämpfen haben. Der Druck, kreativ sein zu müssen, um diese Kreativität dann monetarisieren zu können, hemmt aber die eigene Kreativität. Um diesem Teufelskreis zu entfliehen, greifen Künstler:innen überdurchschnittlich oft zu kreativitätsfördernden und stressreduzierenden Substanzen und landen dann überdurchschnittlich oft auf den Seziertischen der Pathologen. Das kann ich ganz gut nachvollziehen. Also, nicht das mit den Substanzen und nicht das mit den Seziertischen, aber die (selbst gestellte) Erwartungshaltung, immer gute Ideen zu haben und immer produktiv sein zu müssen. Nicht weil ich so besonders empfindsam oder künstlerisch übertalentiert bin, sondern weil ich das ja auch frei so gewählt habe. Ist aber trotzdem anstrengend. Ein tagtägliches Abwägen von Bedürfnissen, Ansprüchen und Wirklichkeiten zwischen Geldverdienen, Erfüllung, Kinderbetreuung, Freiraum (für die Kreativität) sowie mentaler und physischer Gesundheit. Weiß eh, es geht allen so, aber interessant, dass der Stresslevel von Kunsttätigen auch noch in ihren toten Körpern nachweisbar ist. “L’art pour l’art” oder “art poor art”? Weder noch und beides, würd’ ich sagen.

 

KW 13/23
Gestern hatte das Zweitkind einen philosophischen Anfall. Es wollte unbedingt wissen, wie es sich anfühlt, zu sterben. Zuerst hat sie einen empirischen Ansatz gewählt. Aber die Schwester hat sich vehement gegen die Feldforschung gewehrt und wollte sich partout nicht umbringen lassen. Die Wissenschaftsfeindlichkeit hat offenbar auch bei uns Einzug gehalten! Dann hat die Untersuchungsleitern versucht, auf bestehenden Studien aufzubauen. Das Rechercheergebnis war ernüchternd. “Warum kann uns niemand sagen, wie sich Sterben anfühlt?” Tja, eben wegen dem Sterben und der Endgültigkeit. Verzwackte Sache. Schlussendlich hat sie sich aber damit zufrieden gegeben, dass nicht alle Mysterien des Lebens zu entschlüsseln sind. Ich denk zum Beispiel oft drüber nach, wer und was ich genau sein will. Die ewige Frage nach dem Selbstbild. Also, ich weiß es im Prinzip eh, aber ab und zu frag’ ich mich, ob’s nicht klüger und gesellschaftlich verantwortlicher wäre, einen sinnvolleren Beruf auszuüben. Was soziales etwa. Andererseits weiß ich auch, wie unzufrieden ich bin, wenn ich längere Zeit nicht meinen eigenen schwammigen Ideen nachgehen kann. Hm, auch eine verzwackte Sache. Schlussendlich geht’s darum, dass du manche Rätsel auch Rätsel sein lassen kannst. Irgendwann lösen sie sich vielleicht. Oder auch nicht, ist aber auch ok.

 

KW 12/23
Darf gerade bei einem Buchprojekt mit einer Deutschförderklasse in einer Wiener Volksschule mitmachen. Super spannend. Die Kinder sind großteils erst seit wenigen Monaten hier, sprachlos bin aber eher ich, wenn ich höre (und sehe), wie gut die Kids unsere zugegebenermaßen komplizierte Sprache drauf haben. Sicher, grammatikalisch ist nicht alles super korrekt, und der Umstieg von anderen Schriftsystemen und Satzstellungen fällt mitunter schwer, aber Kommunikation und Austausch ist einwandfrei und ohne Missverständnisse möglich. Die Schüler:innen sind voll dabei, mega interessiert und haben einen großen inneren Drive, dieses schwieriges Deutsch in den Griff zu bekommen. Vor allem freuen sie sich, gesehen zu werden, und dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, sich sprachlich zurecht zu finden. Den notwendigen Raum und die Zeit gibt es natürlich nur in den wenigen wöchentlichen Sprachstunden und liegt sicherlich zu großen Teilen an der superben Deutschlehrerin (Shoutouts an Selma!). Den Rest der Woche, im Frontalunterricht neben 25 anderen Kindern mit unterschiedlichen Bedürfnissen, haben sie diesen Raum und diese Zeit leider nicht. Da heißt es dann oft, die notwendige “Leistung” wurde nicht erbracht. Nicht wegen fehlendem Verständnis oder Intellekt, sondern mangels Wortschatz und normierten Ausdrucksformen. Umso tragischer, wenn dann aufgrund eines absurden, vorgegebenen Deutschzertifikats den Zehnjährigen der Aufstieg in höhere Klassen oder weiterführende Schulen verwehrt wird. Dass dieses Zertifikat viele autochthon Ösideutsch-Sprechende nicht erhalten würden, versteht sich von selbst. Von selbst versteht sich auch, dass diese Politik der Hürden ein Ankommen und Einleben ungleich schwieriger macht und für jede Menge Frustration sorgt. Bei allen nämlich. Puh, bleibt nur noch auf gut Deutsch zu sagen: Fuck the system!

 

KW 11/23
Letztens hat mich das Kind in der voll besetzten Straßenbahn gefragt, ob ich damals im Lockdown, als mir mein Telefon ins Klo gefallen ist, eigentlich auch drauf gekackt habe. War dann sehr bemüht diese Frage möglichst deutlich und für alle Umstehenden gut hörbar zu verneinen. Bei der selben Fahrt hat mir das Liebchen auch noch gesagt: “Papa, du kannst echt nerven!” Danke, ebenso! Aber passt eh, Cringe-Sein gehört nämlich zu meinen geheimen Leidenschaften. Meine Generation kommt auch allgemein in das Altersspektrum, wo peinlich sein relativ leicht fällt. Das gute ist, dass es uns ziemlich egal ist. Sowie bei der Hochzeitssause letzte Woche, wo die anwesenden Mittdreißiger hemmungslos alle 00er-Jahre-Indie-Hits mitgegrölt haben. Wär ich nicht grad in einer gedrückteren Phase und wieder mal darum bemüht, Energien und Kräfte zusammen zu halten, hätt’ ich natürlich auch leidenschaftlich mitgemacht. Erstaunlich textsicher waren allerdings auch deutlich jüngere Partygäste, die diese Lieder sicher nicht first hand erlebt haben können. Vielleicht war in unserer jüngeren Zeit ja doch nicht alles ramsch? Hab’ mich auch dabei ertappt, im Schwimmbad ein übergroßes Arschgeweih als “gar nicht mal so unästhetisch” zu bewerten. War kurz selbst vor mir erschrocken. Aber na ja, soll mir alles recht sein. Wesentlich schlimmer, dass auch die Politik vergangener Zeiten wieder modisch ist. Vielleicht lässt sich der Wahnsinn aufhalten, wenn wir alle täglich mehrmals “Ruby, Ruby, Ruby” singen. Schön wär’s jedenfalls.

 

KW 10/23
Waren über’s Wochenende in der Therme. Die Infantin tut sich manchmal ein bissl schwer mit ihr noch nicht ganz vertrauten Umgebungen und war im Vorhinein schon mal grundsätzlich dagegen. Dann musste sie wegen unserer Abreise auch noch eine Geburtstagseinladung ausschlagen und konnte nur unter Einsatz der höchsten Verhandlungsgüter (Medienzeit, Süßigkeit, noch mehr Medienzeit) zum Mitfahren überredet werden. Dass sie dann am letzten Tag getröstet werden musste, weil sie noch länger bleiben wollte, war zu erwarten, ist aber eine andere Geschichte. Schön natürlich auch, die anderen Thermenbesucher:innen zu beobachten. Da waren einerseits die älteren Paare (schon sehr eingespielt und alles wurst), andererseits die Menschen mit Nachwuchs (ständig im Ausverhandeln von Kinderbespaßungzeiten und Erholungs-Me-Time) und dann die frisch Verliebten. Das sind die Schlimmsten. Als symbiotisch aneinander klebende Körpermasse treiben sie durch das warme Wasser und versuchen, sich gegenseitig die Seele aus dem Schlund zu saugen. Eh schön für sie. Trotzdem grausam für alle anderen. Verbundenheit kommt auch auf, wenn du beim Abendessen das schicke Paar am Nebentisch erkennst und vom gemeinsamen Saunabesuch weißt, er hat einen großen Terminator am Rücken und sie einen geflügelten Notenschlüssel am linken Oberschenkel tätowiert. Und obwohl sich fast alle hier ein paar Stunden vorher in ehrlicher Nacktheit gegenüber gesessen sind und sich gegenseitig auf’s Handtuch geschwitzt haben, nicken wir uns alle nur ganz höflich zu, wenn wir uns um die letzten Brötchen am Buffett anstellen. What happens in Therme, stays in Therme.

 

KW 9/23
Lustig, wie viel jede einzelne Person zur gesamten Familiendynamik beiträgt. Und umgekehrt. Die Erstgeborene war die letzte Woche mit der Schule unterwegs, Skikurs. Aufregend für alle, 7 Tage am Stück war sie noch nie weg. Abr nachdem wir insgesamt ungefähr drei SMS mit dem Inhalt “ja” bzw. “gut” bekommen haben, war klar, es passt alles. Das Zweitkind hat ihre Größere schon sehr vermisst, hat’s aber wohl auch ein bissl genossen. Keinerlerlei Ressourcen, Schokoladen und Aufmerksamkeiten, die geteilt hätten werden müssen. Auch wir Erwachsenen waren recht entspannt. War das eine Kind im Bett, mussten wir maximal noch mit der Katze spielen, bevor der Abend wirklich nur uns gehört hat. Aber natürlich schon große Vermissung. Fühlt sich auch komisch an, es fehlt irgendwie was. Vielleicht sogar die zusätzliche Verantwortung? Who knows. Als die Ältere endlich wieder da war, selbstverständlich große Wiedersehensfreude. Und die Jüngere hat augenblicklich von “Einzelkind-Modus” auf “kleine Schwester” geswitched. Inklusive Raunzigkeit und Babysprache, was die ganze letzte Woche überwunden schien. Spannend. Die Große ist total relaxed und muss erst einmal Schlaf nach holen, die Sportwoche war ein voller Erfolg. Vielleicht ein erstes Zeichen, dass sie auch ohne uns gut zurecht kommt? Zumindest phasenweise auf jeden Fall. Sie braucht uns nicht mehr ständig um sich. Ach, ach! Aber das heißt auch, wir können in Zukunft vielleicht das Entspanntheits-Level von der Ein-Kind-Betreuung auch bei doppelter Beanspruchung halten. Auch nicht schlecht, und tut uns sicher allen gut. Selbst denen, die unsere Liebe nur noch im Fall von komplexen Mathematikhausaufgaben haben wollen.

 

KW 8/23
Kurzer Einblick in die nach 4 Jahren Pandemie noch immer grotesk anmutende Testbürokratie: Kind hatte sich ja wiedermal den Arm gebrochen. Bei der Erstversorgung im Krankenhaus war kein PCR-Test notwendig, beim Kontrolltermin wurden wir wieder heimgeschickt und mussten uns mit Test für Begleitperson UND Minderjährige einen neuen Termin ausmachen. Soweit so gut. Bei der finalen Gipsabnehme letztens wollten wir den Fehler nicht wiederholen und gleich in der Früh des Vortages einen Gurgeltest einwerfen. Leider waren nur alle unsere Testkits daheim abgelaufen. Neue Tests holen zeitlich nicht möglich, weil Kind muss ja in die Schule. Kein Problem, testen wir am Nachmittag in der Apotheke. Auf meine telefonische Nachfrage, ob Testen in der Apotheke den ganzen Nachmittag möglich ist, sagt mir der Herr: “Jaja, den ganzen Nachmittag!” Als wir dann bei der Apotheke sind, war’s dann natürlich doch zu spät, obwohl sie noch 2 Stunden geöffnet hatten. Selbiges bei zwei anderen Apotheken. Ohne gültigen Test sind wir dann am nächsten Tag erst wieder vom Krankenhaus heimgeschickt worden, mit dem Hinweis, dass wir nächste Woche eh keinen PCR-Test mehr brauchen würden. Danke. Haben dann den Gips daheim selber abgenommen und den Arm vom Hausarzt anschauen lassen. Das Ergebnis des in der Apotheke gemachten Tests ist dann übrigens zwei Tage später gekommen. Aber gut zu wissen: Nach wie vor alles negativ.

 

KW 7/23
Als Eltern haben wir manchmal das Gefühl, die uns anvertrauten Kinder gegen deren Widerstand zu Aktivitäten zwingen zu müssen, von denen wir glauben, sie seien für das körperliche und seelische Wohlbefinden eben dieser Kinder förderlich. Zähneputzen zum Beispiel. Oder alle sechs bis sieben Tage an die frische Luft gehen. Das Diskutieren über die Notwendigkeit eines kleinen Ausflugs, eines kurzen Waldspaziergangs, gehört zum fixen Repertoire unseres Wochenendes. Gestern hat sich das Erstkind durchgesetzt, mit der Begründung, es müsse wegen den vielen zu erledigenden Schularbeiten zuhause bleiben. Ein Totschlagargument. Das Zweitkind hat das natürlich ungerecht gefunden, sich schlussendlich aber gefügt und ist mitgefahren. Wir sind dann schön im kalten Dauerregen im Matschwald gestanden und haben gehofft, das mitgefahrene Kind merkt nicht, wie gern wie in der warmen Wohnung wären, und das Daheimgebliebene lacht uns nicht aus, wenn wir wieder angekrochen kommen. Apropos rausgehen, war letzten wieder einmal “aus”. Also abends, in der echten Nacht. Habe wieder beruhigt festgestellt, dass es absolut zwecklos ist, mit über 30 noch cool sein zu wollen. Keine Chance, der Zug ist abgefahren, alte Eisen olé! Die Welt gehört den jungen Menschen, das war immer so und soll so sein. Wir Alten sollen froh sein, wenn sie uns hin und wieder zuschauen lassen, und alle heiligen Zeiten mit uns in den Wald gehen. Keine Macht den Eltern. Amen.

 

KW 6/23
Ferienzeit ist Kinderbetreuungszeit, deshalb erst heute wieder ein kurzer Bericht aus dem Wahnsinn. Bis auf den üblichen Schnupfhusten tatsächlich noch immer keine gröberen Krankheiten im Hause. Ah, außer wieder mal ein gebrochener Arm. Gips ja nicht! (Sorry, mäßiger Wortwitz) Hab’ mich zwischenzeitlich wieder mal gefragt, wie sinnvoll mein ganzes Schaffen überhaupt ist. Schön langsam setzt der Post-Kinderbär-Blues ein. Musste die ersten Konzertanfragen für dieses Jahr absagen, die stattdessen angebotenen Lesungen wollte niemand haben. War’s wirklich klug, sich in Zeiten wie diesen ins Ungewisse zu stürzen? Kinderbücher, Erwachsenenmusik? Interessiert das überhaupt irgendjemanden? Falls ja, wie lässt sich damit mein Beitrag zum Haushaltsbudget erwirtschaften? Hm, der Bauch sagt recht klar, ja, es war die richtige Entscheidung, neue Wege einzuschlagen. Der Kopf eher so: “Alter Falter, wie soll das nur gutgehen?” Na ja, vielleicht arrangieren sich die beiden ja noch und treffen sich in der Mitte. Es geht immer und die Balance. Oooohhhhhmmmm.

 

KW 4/23
Wunder geschehen. Die letzten zwei Wochen war niemand krank bei uns. Langsam beginnen sich jetzt die Katarre, Halsschmerzen und Augenentzündungen wieder zu rühren, aber das ist ok. Müssen ja schließlich auch von was leben. Apropos leben lassen. Hab’ noch weiter über den unlösbaren Konflikt zwischen Müßiggang, Ausruhen, Leistung und Produktivität nachgedacht. Eh immer eigentlich. Geht wahrscheinlich vielen mit ungeregelten Arbeitszeiten ähnlich. Judith Holofernes schreibt in ihrem Buch von der “Erlaubnis”, Kunst zu machen. Oder Künstler:in zu sein. Ein recht passender Begriff, wie ich finde. Weil du dir ja, um irgendeine Art Kunst zu machen, zu allererst selbst “erlauben” musst, deine Zeit damit zu vergeuden, zu experimentieren, kreativ zu sein, zu spielen. Um dann etwas zu schaffen, wonach meistens niemand gefragt hat, und was vorderhand keinen großen Nutzen erfüllt. Mit etwas Glück lukriert das Geschaffene dann einen Gegenwert. Erfolg, so Holofernes, gibt dir natürlich die absolute Erlaubnis, mehr von deiner Kunst zu produzieren. Ohne monetären Erfolg musst du dir die Erlaubnis jedes mal aufs neue selbst geben. Hm, gar nicht so leicht. Werde mich darin üben. Und gleich einmal zwei Mails weniger beantworten und stattdessen über einen Text nachdenken. Wird ja wohl noch erlaubt sein.

 

KW 3/23
Noch was bezüglich Müßiggang. Lieben Dank für eure zahlreichen Rückmeldung zum Vormittagsschlaf. Das Thema bewegt offenbar. Der allgemeine Tenor war in etwa: Ausruhen tagsüber ist völlig ok, wenn du nur vor- oder nachher entsprechend fleißig warst. Das ist einerseits natürlich völlig legitim, ich möchte ja auch all meine To-Dos, Ziele, Hausarbeit, Kindereien, usw. am Ende des Tages erledigt wissen. Andererseits ist das auch ein bisschen problematisch. Weil es das Dogma voraussetzt, dass du zuerst eine Schuld begleichen musst, bevor es dir gut gehen darf. Klassisch christliche Passions-Erzählung. Zuerst das Leiden, dann die Erlösung. Hab’ ich auch schon oft besprochen, siehe meine Journale. Finde es trotzdem immer wieder erstaunlich, wie schwer ich mir persönlich tue, mich davon zu lösen. Teilweise auch absurd, wenn ich zb. an einem Sonntag 13 pausenlose Stunden für ein Projekt arbeite, und mich dann am Montag vormittag mit schlechtem Gewissen plage, weil mein Körper schon wieder nach Erholung schreit und nicht ohne Murren weiter funktionieren will. Nicht falsch verstehen, das soll kein Jammern auf die Tücken des Freiberuflertums sein, das hab’ ich mir ja bewusst so ausgesucht. Das ist mir alles bewusst, und trotzdem fühl ich mich schlecht, wenn ich nicht meine Stunden vorm Computer absitze oder sonst irgendwie “sinnvolle” Tätigkeiten verrichte. Schon auch verrückt. Hab’ heute jedenfalls nicht geruht, sondern die Wohnung geputzt. Nur damit ihr wisst.

 

KW 2/23
Jetzt einmal ein Geständnis: Ich weiß ja nicht, wie es anderen selbständig oder im Homeoffice Arbeitenden damit geht, aber die vormittägliche Versuchung des Bettes ist schon sehr groß. So ein bisschen Schlaf nachholen, wenn die Kinder in Schule und Kindergarten verfrachtet sind. Mmmh. Nur so eine halbe Stunde. OK, manchmal ein bisschen mehr. Körperlich eine Wohltat, aber das schlechte Gewissen ist fast unerträglich. Es ist ja beinahe liederlich, vormittags im Bett zu liegen und sich zu erholen, während andere schuften, hackeln und etwas leisten. Deshalb leg ich mich dann eher doch nicht hin, sondern schaue stattdessen 50 Minuten mega Dümmliches im Internetz an. Aber halt! Wäre es da nicht besser, ich hielte ein Powernäppchen und ginge dann topfrisch ans Tageswerk? Wahrscheinlich schon! Trotzdem die tägliche Entscheidung zwischen Ausgeschlafen sein oder Gewissensbissen. Wie geht’s da euch damit? Tut ihr immer so, als wärt ihr superproduktiv, oder könnt ihr zu eurem Schlafbedürfnis stehen …. äh, liegen? Guten Nacht und guten Morgen jedenfalls!

 

KW 1/23
Die erste Woche des Jahres war geprägt von – wie könnte es anders sein – Krankheit! Die dritte familiäre Runde Husten, Schleim und körperliches Matschgefühl. Oder war’s schon die vierte Runde? Auch egal, mich schreckt jedenfalls gar nichts mehr. Du musst die Gegebenheiten annehmen, wie es so schön heißt. Wunderbar. Das sollte sich einmal die Katze zu Gemüte führen. Hab’ ihr einen wunderschönen, stabilen, neuen Kratzbaum gebaut. Seitdem sitzt das Vieh demonstrativ den lieben langen Tag auf dem wackeligen Alten. Ohne ein Wort zu sprechen, sagt sie mir deutlich: “Mensch, ich bin enttäuscht von dir!” Aber so ein bisschen Veränderung wird ihr nicht schaden. Bis jetzt halte ich zum Beispiel meinen Vorsatz, keine dümmlichen Videos im Internetz mehr zu schauen, ganz gut ein. Stattdessen les’ ich mindestens gleich lang online Zeitung, aber immerhin bin ich jetzt top informiert. Ob das aktuell so wünschenswert ist, ist wieder eine andere Frage. Jedenfalls, ein gutes neues Jahr euch allen!

 

KW 52/22
Eigentlich hätte das ein versöhnlicher Jahresausklang-Post werden sollen. Stattdessen sind wir wieder krank, krank, krank. Zweiter Durchgang Grippe innerhalb von drei Wochen. Familiäre Kreislaufwirtschaft at its best. So unglaublich zach. Alle wieder Fieber, Matsch und Husten. Die Katze glaubt schon, wir sind Hunde, so viel wie bei uns gebellt wird. Und anscheinend leben noch weitere unbekannte Tiere bei uns. Offenbar gibt’s Würmer! Würmer? ARE YOU FUCKING KIDDING ME? Weiß der Geier, wie und woher, ist ja auch wurst. Also alle Krankenlager abziehen, waschen, Stofftiere einfrieren und das allseits beliebte Entwurmungsmittel schlucken. Neben Hustensäften, Fiebermitteln, Kopfwehtabletten und Tee, Tee, Tee. Pfui! Stimmung zum Jahresende daher eher beschaulich. Apropos Stimmung, wollte einmal fragen, wer die Über Leben hier denn eigentlich liest. Soll ich nächstes Jahr weiter machen, mit den weekly Reports aus dem Wahnsinn? Write me, tell me, let me know! Much obliged. In diesem Sinne, auf ein viren- und parasitenfreies 2023, ihr Unbeugsamen!

 

KW 51/22
Ho, Ho, Ho. Wünsche allen schöne Feiertage und gute Besserung. Die wichtigsten Geschenke hab‘ ich heute schon in der Apotheke gekauft. Werden abends dann mit Hustensaft und Schleimlöser anstoßen. Hat auch was Feierliches. Und wenn alle Kinder und du selbst pausenlos husten, hoffst du wie selten zuvor auf eine „Stille Nacht!“ Die erste Woche post Bär war eigenartig. Irgendwie wie immer, irgendwie anders, irgendwie beängstigend und irgendwie befreiend. Muss mich selbst erst daran gewöhnen. Bin jedenfalls schon sehr gespannt, was das neue Jahr alles so bringt. Hab‘ einiges vor, aber noch keine Ahnung. So wie üblich also. Bin grad am überlegen, wo die Reise stilistisch, musikalisch, künstlerisch hingehen könnte. Hardcore oder Schmusedisco? Alles ist möglich! Euch auch eine schöne Zukunft und gute Zeiten mit den Lieben! See you soon!

 

KW 50/22

Puh, noch immer, schon wieder oder permanent krank! Nach sieben Tagen Fieber bin auch ich ein wenig unrund geworden. Jetzt nur noch Husten, Schleim und Rotz. Auch nicht schön, aber immerhin nicht mehr bettlägerig. Top fit für das große Bär-Finale also. Morgen ist es soweit, das letzte Konzert als Kinderchansonnier. Freu mich, bin traurig, bin aufgeregt. See you there!

 

KW 48/22

Die letzten zwei Wochen waren … fordernd, um es kulant auszudrücken. Nacheinander waren wir alle mehr oder weniger krank. No Corona, aber halt trotzdem Fieber-Husten-Kopfweh-Schleim. Wenn im vorweihnachtlichen Stress eh schon wenig Zeit ist, erfreut das nochmal zusätzlich. Besonders schön, wenn dann auch die erwachsenen Bertreuungspersonen eingehen. “Geht’s bei dir wieder halbwegs? Kann dann ich mich nachher hinlegen?” Fliegender Wechsel sozusagen. Aber hilft nix, da musst du durch. Ein bissl wie im Lockdown damals, mit den Zeitabsprachen, wer wann arbeiten gehen darf. Und von den sieben zu erledigenden Dingen werden halt nur vier geschafft. Auch in Ordnung. “Alles gut, alles gut, alles gut, und ich bin auch relativ ok.” Aphorismen aufsagen hilft. Oder der Ausblick auf endlich Zeit mit der Familie in den Weihnachtsferien. Und damit mir nicht wieder Zynismus und negative Weltbilder vorgeworfen werden: Ganz im Ernst. Alles nur eine Frage der Perspektive.

 

KW 47/22

Das mit dem Größerwerden ist ja so eine Sache. Einerseits natürlich super, weil es dir neue Erlaubnisse, Möglichkeiten und Autonomitäten eröffnet. Andererseits auch ein kleinwenig schmerzlich, weil du dir dadurch auch einige Vorteile und Besonderheiten des Jüngerseins nicht bewahren kannst. Ich hab’ zum Beispiel mit 12, 13, 14 mit meinen Freunden regelmäßig so einen Fantasy-Game-Laden frequentiert. Der dortige Verkäufer war sehr nett, und aus heutiger Perspektive ziemlich verbittert. Wahrscheinlich war er um die Anfang 30, für uns war das extrem alt und weise. Und jedesmal, wenn wir unser Taschengeld bei ihm gegen Orks, Zwerge und Elfen eingetauscht haben, hat er uns seine Lebensweisheiten verraten. Besonders oft hat er gesagt: “Bleibt’s so lang jung wie möglich! Schaut’s mich an, bei mir ist’s schon zu spät, alles verloren.” Damals haben wir das natürlich nicht ernst genommen. Wenn du 14 bist, willst so nur eines: So schnell wie möglich 16 werden. Dann 18 und so weiter. Erst ab ca 25 setzt so eine Art Bremse ein und du würdest gern noch nicht Ende Zwanzig sein. Heute bin ich ja selbst im gehobenen Alters des Elfenhändlers und kann seine zauberhaften Worte anders einordnen. Ich freu’ mich natürlich, dass meine Kinder selbstständiger werden, und ich mich nicht mehr 24/7 um sie kümmern muss. Andererseits ist es auch schade, dass sie nicht mehr koboldklein und kuschelig sind (bzw. Nähe nur ab und zu randomly einfordern). Entwicklung heißt halt auch Veränderung, und Veränderung heißt manchmal auch, sich von Aspekten des Lebens verabschieden, die du gern hast. Dafür kommen eben neue dazu, was umso schöner sein kann. Oder nicht ‘schöner’….anders schön jedenfalls. Zumindest bin ich ziemlich froh, dass ich nicht mehr 14 bin und mein gesamtes Geld in eine Elfenarmee stecke.

 

KW 46/22

Ui, jetzt ist es also Winter! Haben heute unseren ersten Schneespaziergang gemacht. War ehrlich schön, und ich liebe Winterluft, aber trotzdem hätte das ruhig noch ein bisschen warten können. Zeit im Allgemeinen vergeht überhaupt viel zu schnell. Als ich vor über einem Jahr verlautbart habe, den kindermusikalischen Unterhaltungsbären in den Ruhestand zu schicken, war ich mir sicher, bis Ende 2022 alles soweit durchdacht und auf Schiene gebracht zu haben, um zu wissen, mit was genau ich ab 2023 mein Geld verdienen werde. So, jetzt hab’ ich noch ein paar wenige Wochen, und ich weiß es immer noch nicht genau. Ein paar berufliche Optionen, Vorstellungen und Überlegungen werden klarer und manifestieren sich langsam, aber so einen richtigen Plan hab’ ich leider immer noch nicht. Bin gespannt, ob sich überhaupt irgendwer für meine weiteren Hirngespinste, Texte, Arbeiten interessieren wird. Ein gewisses Risiko ist halt immer Teil davon. Das mag ich ja auch so daran. Du weißt nie, ob aus einer Idee was wird. Diese Ungewissheit schreckt mich natürlich, weil ich ja auch gewisse (finanzielle) Verpflichtungen habe. Andererseits ist gerade dieses Nicht-Wissen das Spannende bei der ganzen Sache. Gruseligs, aber irgendwie auch schön. Wie Winterspaziergänge.

 

KW 45/22

Ich neige ja schon eher zum Nachdenken. Zum Grübeln, zum In-Frage-Stellen, zum Zweifeln. Grundsätzlich eh ok, ich tu’ mir auch schwer mit Menschen, die ihr eigenes Sein, Schaffen und Wirken überhaupt nicht hinterfragen. Natürlich ist da auch eine ordentliche Portion Neid dabei, so totale Überzeugung von mir selbst hätt ich auch gern. Im Prinzip bin ich jedoch schon eher Team Reflexion. Ist auch wichtig, die eigene Existenz in Relation zu setzen. Zu viel Zweifeln ist anderseits auch hinderlich. Ohne Kritik gibt’s keine Entwicklung, aber wenn alles in Frage gestellt wird, bleibt nichts mehr übrig. “Im Zweifel für den Zweifel” kann ich daher nur bedingt unterschreiben. Schön wäre eine Balance, ein Gleichgewicht aus “Größenwahn und Zweifel” (guter Buchtitel, btw). Wieder andererseits wär’s wahrscheinlich auch ein bissl fad, wenn alles immer ausgeglichen und in Einklang wäre. Ewiger Gleichmut, brrr! Ohne auf und ab keine Bewegung, ohne Energie nur Stillstand. Präpotenz und Angst blenden sich zwar aus, fangen sich aber auch wieder gegenseitig ein. Als Aufpasser für einander quasi und als gegenseitig Motor. So gesehen eh alles im Lot!

 

KW 44/22

Nach längerer Pause endlich wieder ein wenig Luft zum Aufschreiben. Die letzten Wochen waren mehr überleben, und kaum Zeit für Über-Leben. Busy Bär Weeks, Abschiedsvorstellungen, Buchpräsentationen, Interviews geben, Herbstferienbetreuung, zwischendurch Proben, Theaterstücke und Elternabende. Eh gut, aber auch anstrengend. Bin auch schon ein wenig wehmütig wegen dem nahenden Ende des (Kinderlied-)Bären. Es passt gut und es ist Zeit für ein neues Kapitel, aber finale Good Byes sind halt auch immer ein bissl Herzschmerz und so. Vermisse jetzt schon meine Band, und unsere Tourroutine, die Konzerte, die gemeinsamen Autofahrten. Wer hört jetzt mit mir drei Fragezeichen? Ach, ach! Aber aus den Augen, heißt ja nicht aus dem Sinn. Gehen wir eben ab jetzt regelmäßig Minigolfen. Und einmal feiern wir ja noch gemeinsam, mit hoffentlich vielen Zuhörer:innen, Weggefährt:innen, mit euch! (Btw, 17.12. im Wiener WUK.) Es wird schön, es wird groß, traurig und wunderbar. Freu mich, see you there!

 

KW  41/22

Die letzten Konzerte als Nachwuchsbär sind ja gerade in Gange. In den letzten Wochen haben wir coronabedingt stark ersatzgeschwächt, aber umso enthusiastischer Bayern, Nieder- und Oberösterreich besucht. Dabei gab es gleich zwei Premieren: In den knapp zehn Jahren Tätigkeit als Kinder-….äh, -Chansonnier hab’ ich außer guter Laune noch nie etwas an den Auftrittsorten zurückgelassen. Und jetzt lass ich doch glatt mein geliebtes Silbermikrofon in Ebensee auf der Bühne liegen. Das Ende macht sich eben doch bemerkbar. Egal, am Wochenende sind wir wieder unterwegs, da dürfen wir wieder kurz im bezaubernden Kino Ebensee Halt machen. Die nächste Konzerteinheit ist allerdings kürzer als geplant, weil – auch das ein Novum – die Veranstalter abgesagt haben. Nicht wegen ausbleibender Besucher:innen, sondern weil das Haus nicht genügend Personal hat, um die Veranstaltung auf die Bühne zu bringen. Bemerkbar also auch Corona, Wirtschaftskrise und Ressourcenknappheit. Die Welt wandelt sich. Im Großen wie im Kleinen. Unsere Große geht jetzt zum Beispiel gern mit ihren Freundinnen essen. Alleine. Aber davon ein andermal. Jedenfalls, kommt alle zu den verbliebenen Konzerten und lasst uns die alten Zeiten noch ein letztes Mal hochleben!

 

KW 39/22

Ehrlicherweise fällt es mir immer noch schwer, zu begreifen, dass die Welt, wie wir geglaubt haben, sie zu kennen – zumindest wir wohlstandsbehüteten Millennials – nicht mehr so sein wird. Viele Aspekte des Lebens, die während meines Heranwachsens noch relativ unabdingbare Größen und feste Koordinaten waren, werden meine Kinder nicht als solche erleben: Stabilität, Frieden, Zeit, lösungsorientierte Kommunikation, gesicherte Ausbildung oder einfach die Aussicht auf eine positive Zukunft. Natürlich liegt es an uns allen, diese Zukunft weiterhin, auch in Anbracht aller Umstände, möglichst nachhaltig und langfristig zu gestalten. Trotzdem finde ich’s ein bisschen zu einfach, diese Verantwortung jetzt einfach jeder Familie, jedem Menschen persönlich umzuhängen. “Heizt du schon, oder bist du noch solidarisch?” ist weniger Schmäh und mehr Kapitulation vor allem, was schief liegt. Natürlich sollten wir uns alle überlegen, wie viel Energien und Ressourcen wir tatsächlich verbrauchen, wie wir mit dem Planeten, der Natur, unserem Lebensraum umgehen. Eh klar, und unbedingt notwendig. Aber eigentlich sollte sich halt grundsätzlich was ändern. Im kapitalistischen System, in Wirtschaft, Industrie und Konsumverhalten. Im Denken. Weiß eh, dass das schwierig ist. Ich glaub’ halt, wenn wir schafften, uns aus der Spirale von Leistungssteigerung, Ausbeutung und Gewalt zu lösen, würde das wesentlich mehr dazu beitragen, als wenn meine Kinder und ich jetzt nur noch kalt duschen. Call me a dreamer, aber in Wahrheit geht’s nur so . Alles andere ist Augenauswischerei.

 

KW 37/22

Also beehrt uns Santa Corona wieder mit ihrer Gnade. Zwei Stricherl, Symptome und entsprechendes Gurgelat. Soweit alles ok, auch wenn ich die letzten Tage deutlich mehr damit zu kämpfen hatte, als das letzte Mal. Offenbar sind meine Abwehrkräfte geschrumpft, mein Körper ist ja auch eineinhalb Jahre älter. Zwei von vier Familienmitgliedern sind amtlich bestätigt erkrankt, zwei haben bis dato keine positiven Texts, eine davon leichte Symptome. (Von der Katze wissen wir nichts, die hält sich ohnehin an keine Abstandsregeln). Was also tun? Theoretisch und gesetzlich dürfte die eine in die Schule gehen. Wär sicher nicht schlecht, auch im Sinne von Launen und Gruppendynamik, aber ist das irgendwie vertretbar? Ich find ja eigentlich nicht so. Aber mich zieht es jetzt mit Gliederschmerzen, Fieber und Husten auch nicht unbedingt ins Wirtshaus, obwohl ich das mit Maske und Abstand verordnungstechnisch dürfte. Naja, bleiben wir halt wieder mal zu Hause, hatten wir eh schon länger nicht mehr. Und obwohl ich sonst immer sehr für gesunden Positivismus eintrete, möchte ich an dieser Stelle sagen: Stay negative!

 

KW 36/22

Jetzt geht also auch das jüngste Kind in die Schule. Nach einer Woche Volksschulbegleitung lässt sich wieder einmal sagen: Lehrer*in sein, ist nicht unbedingt ein Honigschlecken, neun Wochen Sommerferien hin oder her. Tatsächlich vergönne ich jeder engagierter Lehrkraft diese “unterrichtsfreie Zeit” von ganzem Herzen. Alleine mit 25 aufgeregte Kinder in der Klasse zu stehen, sie gleichzeitig eingewöhnen, betreuen, motivieren und nebenbei noch unterrichten, musst du können. Ich wiederhole: größtenteils alleine. Und dann kommen zumindest in der ersten Klasse ja auch noch all die aufgeregten Eltern dazu. Die meinen, sie sind die allerersten Eltern überhaupt, die Sorge habe, ob ihr Sprössling eh gut zurecht kommt im neuen Umfeld. Wir natürlich auch. Ist vielleicht auch das Los des Elternseins, dass du glaubst, niemand vor dir hatte jemals ähnliche Probleme zu bewerkstelligen. Und all diese Ängste (z.B. ob das Kind genügend trinkt oder oft genug auf’s Klo geht) musst du als Lehrperson jedes Mal aufs Neue ernst nehmen, und Zuversicht vermitteln und sagen, dass du ein Auge drauf haben wirst und dass das schon wird. Im Endeffekt musst du ja auch immer die ganze Familie begleiten, bis zu einem gewissen Grad natürlich. In diesem Sinne wünsche ich allen größeren und jüngeren Schulkindern Lehrerinn*innen, die diese Begleitung auch als solche wahrnehmen, und vielleicht sogar ab und zu Freude daran haben. Wenn’s nicht eh schon so ist.

 

KW 35/22

Mir wird ja öfters vorgehalten, dass ich in diesen Wochenrückblicken hier misanthropische Tendenzen zeige und grundsätzlich schwarzmale. Was soll ich sagen, ich kann auch nur das wiedergeben, was ich sehe, und da ist eben momentan viel Dunkelgraues dabei. Nichtsdestotrotz schadet es natürlich nicht, die Fahnen des Guten höher zu halten und dem (gesunden) Positivismus genüge zu tun. Ich könnte jetzt zum Beispiel über das Ende unserer Kindergruppenzeit lamentieren. Ausführen, wie unendlich traurig wir Eltern sind, dass nun auch die jüngste Infantin nicht mehr einfach Spiel, Spaß und Geborgenheit genießen darf und ab Montag der schulischen Leistungsgesellschaft ausgeliefert ist. Oder dass wir die uns über acht Jahre täglicher Begleitung ans Herz gewachsenen, superben Betreuerinnen schmerzlichst vermissen werden. Tja, diese Kinder werden eben ständig größer. Traurig sein ist ja in Ordnung, aber statt zu jammern, können wir uns auch über die kommenden Abenteuer freuen. Über die sich erweiternde Selbstständigkeit, die wachsende Autonomie, die wiederum uns Eltern Freiräume bietet. Und auch wenn ich’s gern gemacht hab’, aber die Elternarbeit werd’ ich eher weniger vermissen. So gesehen, schafft jeder Abschied neue Möglichkeiten. Augenlulu wird es natürlich trotzdem geben, passt auch, gehört dazu. So long, ihr Bären, es war so schön mit euch.

 

KW 33/22

Back from holiday. War gut und notwendig, nach nur drei Tagen Ernst des Lebens allerdings, würde ich gern wieder auf Urlaub fahren. Sommerferien sind ja die Zeit des Jahres, in der du – zumindest als selbstständig arbeitender Mensch – viel Zeit mit deinen Kindern verbringst. Sehr viel Zeit. Und im Urlaub dann sowieso. Seit Anfang Juli gab es zum Beispiel nur wenige Momente, die die Schulpflichtige und ich nicht miteinander geteilt hätten. Klar, es gibt auch bei uns Privatsphäre und Augenblicke für sich, aber im Prinzip waren es 24/7 together, die letzten sieben Wochen. Das schweißt zusammen. Es war eine schöne und entspannte Zeit, und auch eine sehr … gemeinsame Zeit. Und ja, unsere Kinder sind schon phasenweise autark und können sich stundenweise allein beschäftigen, trotzdem tu’ ich mir schwer, mich auf die Arbeit zu konzentrieren, wenn ich weiß, im Nebenzimmer könnte was gebraucht werden. Umgekehrt hab’ ich ein elendig schlechtes Gewissen, wenn ich mich auf Kinderbetreuung konzentriere, und wochenlang nichts Produktives zu Stande bringe. Also, Teufelskreis. I know, alter Hut, und grundsätzliches Problem der mangelnden Wertschätzung von Care-Arbeit, aber im Sommer wird das immer noch mal deutlicher, finde ich. Daher ein spätsommerliches Shoutout an alle Einrichtungen, ob öffentlich oder privat, die tagsüber Kinder betreuen, unterhalten oder unterrichten. Ihr seid nicht nur die Träger:innen unserer Geselschafft, sondern auch die Bewahrer:innen elterlicher, mentaler und physischer Gesundheit.

 

KW 28/22

Manchmal passieren halt doch auch Dinge, die den Glauben an die Menschheit aufflackern lassen: Hatten von unserem Umbau ein bisschen gelbe Dämmwolle aus einer alten Wand herumliegen. Von der Sorte, an die sich deine Haut noch Tage danach erinnert, wenn du hinein greifst. Zusammen mit einer Kofferraumladung Baustellenabdeckpapier wollte ich die Wolle fachgerecht entsorgen – um die Umwelt und unseren Müllcontainer im Haus zu schonen. Der äußerst strenge Platzmeister beim ersten Müllplatz hat mir allerdings erklärt, dass das Abdeckpapier nicht zum Papier, sondern zum Restmüll gehört. Das könnte ich zwar hier bei ihnen entsorgen, müsste aber dafür extra bezahlen, ich solle es doch einfach zu Hause in den Müllcontainer werfen. Also hab’ ich das Abdeckpapier wieder eingeladen. Und die Dämmwolle nehmen sie sowieso nicht an, nur noch der Müllplatz Percostraße, Wien 22, Transdanubien, entsorgt solch umweltschädlichen Stoffe. Also hab’ ich auch die Dämmwolle wieder eingeladen. Hab’ mir die Öffnungszeiten des Müllplatz Percostraße angeschaut (08:00 bis 18:00), eine Route gecheckt, die Kinder eingepackt und bin 1h durch den Stau in die Donaustadt gefahren. Die dortige, braungebrannte, orange Platzautorität hat mir wiederum erklärt, Dämmwolle gehöre ins andere Tor, zu den Großmengen. Soweit so gut. Der Kollege bei den Großmengen hat nur leider die Annahme meiner 3 Fetzen alter Dämmwolle verweigert, weil die Großmengenannahme um 16:30 schließt. Es war 16:28. Da hab’ ich einmal innerlich kurz geweint. Auf meine Frage, wo ich denn jetzt bitte die Dämmwolle entsorgen soll, wollte der mäßig enthusiastischen Müllexperte mir keine Antwort geben und hat das Tor vor unseren verblüfften Nasen zugesperrt. Ich muss zugeben, kurz war ich davor, aufzugeben. Aber dann hab’ ich mich nochmal an den sonnengegerbten Platzmeister erinnert, irgendwie hat mir seine Erscheinung mit der Raver-Sonnenbrille, den Goldketterln und den Drachentattoos Vertrauen eingeflößt. Und es war gerechtfertigt. Nachdem ich mich bei ihm ausgeweint hab’ und die Kinder möglichst jammervoll dreingeschaut haben, hat er mich zur Seite gewunken: “Ich sag’ Ihnen jetzt was NICHT, verstanden?! Fahren’s bis zur grauen Tür vor!” Bei der grauen Tür hat er einen großen, schwarzen Müllsack geholt, die Dämmwolle eingepackt und mir nochmal eingeschärft, dass wir das gerade NICHT tun, weil illegal. Er bringe die Wolle dann rüber zu den Großmengen. Ein wahrer Held. Mit einer kleinen Geste, hat er meinen Tag, mein Vertrauen an das Gute und gleich die Umwelt noch dazu gerettet. Es gibt ja doch noch Hoffnung. Zumindest in der Kehrforce #1, MA48!

 

 

KW 27/22

2011 hab’ ich den Film “The Road” gesehen und war ziemlich verstört. Kann mich noch gut erinnern, dass ich mir damals als werdender Vater gedacht hab’, die im Film dargestellte Dystopie und die post-apokalyptische Ressourcenknappheit ist nicht unrealistisch, wird unsere Lebensspanne aber wohl nicht mehr betreffen. Ähnlich wie das Erlöschen der Sonne. Tja, die Realitäten haben sich inzwischen ein wenig verschoben. Ich denke nicht, dass ich meine Kinder vor hungrigen Kannibalen beschützen muss, wie im Film, aber der Kampf um Energien, Treibstoff und Lebensmittel – und um moralische Integritäten! – ist jetzt schon weit weniger im rein Fiktionalen angesiedelt als noch vor 11 Jahren. Da wird einem/einer schon anders. Aber Verzweifeln ist ja auch keine Lösung. Möchte vielmehr, wie Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee, das “Feuer des Guten” weitertragen. (Trotzdem werde ich bewaffnete Männer auf Trucks weiterhin meiden!)

 

KW 26/22

Die letzten Wochen waren so dicht, dass in meinem Kopf nur Platz für Leere, und keine Zeit zum Schreiben war. Ein Schullabschlussjahrgangstreffen ist sich aber ausgegangen (Shoutout an alle, die hier mitlesen). Hab’ mich in bissl davor gefürchtet, war dann aber sehr nett und lustig und ich bin tratschend bis 2 Uhr früh in der Wiese im Park gesessen. Wie früher, nur ohne anstrengende Ballspiele. Neben den altersbedingten Abnützungserscheinungen haben wir festgestellt: Jetzt wo alle jenseits der 30 sind, ähneln sich die Fragestellungen und Probleme schon sehr. Kinderbetreuung, Geldverdienen, leistbares Wohnen, Überforderung, Existenzängste. Das Leben halt. Irgendwie fad, aber gleichzeitig auch beruhigend zu wissen, es geht eh allen gleich. Glaube, besonders wir Millennials tun uns mit der aktuellen Krisenstimmung und den akuten Bedrohungen dieser Welt schwer, weil wir es zumindest die ersten 20 Jahre unseres Seins so nicht kannten. Oder nicht oder anders wahrgenommen haben, Krisen und Kriege gab es natürlich auch in den 90ern. Dementsprechend schwer fällt es den heute 30-40-jährigen, sich mit der Dystopie anzufreunden. Die nachfolgenden Z-ler:innen kennen es nicht anders und sind da deutlich pragmatischer und trauern nicht irgendwelchen vergangenen Pseudo-Idyllen nach. Die Welt ist sowieso fucked up, also nicht lang jammern, sondern das Beste draus machen. Und weil wir Halbalten viel zu sehr der hogwart’schen Seligkeit unserer Kindheit nachhängen, plädiere ich dafür, unsere Generation bei der nächsten Machtübergabe gleich auszulassen. Nach den Boomern sollen einfach direkt die Woken übernehmen. Habe nämlich die Wahrnehmung, die Jungen sind im Schnitt einfach besser, reflektierter, sozialer. Ist vielleicht eine Wunschvorstellung, aber ehrlicherweise hätte ich da wesentlich mehr Vertrauen, als in meine eigene Generation. Die kenn ich nämlich viel zu gut, hehe.

 

KW 23/22

Bin immer wieder erstaunt, wenn Menschen die eigenen Befindlichkeiten als Parameter für den Zustand der Allgemeinheit heranziehen. Schon klar, alles ist relativ, und bei der Bewertung von Situationen gehst du zuerst einmal von dir selbst aus – aber die Reflektionsimmunität mancher Zeitgenosse:innen verblüfft mitunter! Lieb hab’ ich zum Beispiel jene, meist kinderlosen Spezialist:innen, die lang anberaumte Termine kurzfristig absagen, weil “sie sich heute nicht gut fühlen”. Oder wenn betreuungstechnisch und partnerschaftlich mühsam organisierte Treffen wochenlang nicht möglich sind, weil sie “noch ein Formular aufs Amt bringen müssen”. Die Vorstellung von derart unendlich frei verfügbaren zeitlichen Ressourcen löst Neid und Abscheu gleichermaßen aus. Noch schlimmer sind nur Eltern, die glauben, sie sind die ersten und einzigen Menschen mit Kindern auf diesem Planeten. Ja, der Schlafmangel ist massiv, das mit dem Essen und dem Stuhlgang ist auch arg, und lustig, dass dein Sprössling lieber Fleisch als gedünstetes Gemüse mag. Aber: WE’VE ALL BEEN THERE! I DON’T WANNA HEAR IT ANYMORE! (sorry) Ein weiterer, eindeutiger Beweis für die Existenz des Teufels sind Elternchatgruppen. Schön für dich, wenn dein Kind mit Lehrer X nicht kann, dafür aber mit Lehrerin Y sehr gut, wie wäre es, wenn du trotzdem versuchst, mit den Betroffenen zu reden, bevor du eine Sammelklage einreichst? Und eigentlich möchte ich nicht wissen, dass Tante Agathe am Wochenende Durchfall hatte, weil sie zu viele Rosinen gegessen hat und du deshalb schlecht geschlafen hast und eher wahrscheinlich nächsten Donnerstag keine Zeit haben wirst für den gemeinsamen Wandertag. Sag’ doch bitte einfach, wann du könntest. Ohne Gründe. Kann jetzt leider auch nicht weiterschreiben. Muss mich noch weiter wundern.

 

KW 22/22

Aus aktuellem Anlass: Warum stoßen sich Menschen so dermaßen daran, wenn (wenige) Mitmenschen in anderen Lebensrealitäten leben als sie selbst? Was bringt sie dazu, Hassnachrichten zu schicken und Gewalt anzudrohen, nur weil sich eine (ihnen unbekannte) Person nicht als Frau oder Mann, sondern als beides, oder irgendwas dazwischen identifiziert? Oder weil Kinderbücher vorgelesen werden, in denen andere Familienbilder als Mama-Papa-Kind vorkommen? Was macht da so große Angst? Da geht’s natürlich um Machtpositionen und Ordnungen und Sicherheiten, an denen sich die Gesellschaft jahrhundertelang festgeklammert hat. Und wenn plötzlich ein klitzekleines Kinderbuch all diese Ordnungen in Frage stellt, löst das gleich einmal Panik aus. Und Gewalt. Das ist vielleicht eine Erklärung, aber zu verstehen ist es trotzdem nicht. Niemand verlangt, dass alle ihre Geschlechtsidentitäten über Bord werfen. Vielmehr geht es um Akzeptanz. Um Verständnis und um die Bereitschaft zur Entwicklung, und ja, auch zur Veränderung. Das ist natürlich unbequem.  Und weil Sprache nun mal Realitäten schafft, braucht es dazu auch Sensibilität im Wording. Und neue Wörter spießen sich oft mit sprachlichen Gewohnheiten (“Häh, das darf ich auch nicht mehr sagen?”) Darum braucht es auch ein wenig Geduld mit all jenen, die sich schwer tun, ihre sprachlichen Konventionen zu verändern. Gleichzeitig ist es mehr als nachvollziehbar, dass Menschen, die von der heteronormativen Gesellschaft seit jeher ignoriert, unterdrückt und mundtot gemacht worden sind, diese Geduld nicht haben. Hmm. Ich würde mir wünschen, dass meine Kinder in einer Welt leben, in der sie sein können, wie und wer sie sind – however that may be – ohne dafür beschimpft und angefeindet zu werden. Meiner Meinung nach kein allzu utopischer Wunsch.

 

KW 21/22

Nachdem ich letztens wieder einmal in einer echten Bar mit echten Menschen war, haben sich mir ein paar Fragen aufgetan. Erstens: Hat sich der Altersschnitt in den Ausgehlokalen seit Corona so drastisch verändert oder bin ich einfach alt? Vermutlich letzteres. Zweitens: Werde ich es tatsächlich schaffen, Größe zu bewahren und cool zu bleiben, wenn meine eigene Kinder in ein Alter kommen, in dem sie sich die Nächte um die Ohren schlagen, mit Substanzen experimentieren und ihre Herzen an die größten Honk:innen verlieren? Hope so, aber ich kann – so ehrlich muss ich sein – nicht mit Sicherheit sagen, ob ich da so entspannt bleiben kann, wie ich’s mir wünschen würde. Andererseits geht es dabei natürlich um wechselseitiges Vertrauen, und da kann ich nur jetzt mein Bestes tun, um dafür die Vorraussetzungen zu schaffen. Basecamp sozusagen. Und wieder andererseits werde ich wahrscheinlich froh sein, wenn die Jungen sich trotz Internetz, Weltuntergang und Krisenstimmung in real life treffen, sich austauschen, gemeinsam Blödsinn machen und sich am und im Kollektiv berauschen. Alles andere wäre besorgniserregender. Kinder (und Halbstarke) sind schließlich auch nur Menschen und die Zukunft ist die ihre.

 

KW 20/22

Altbauwohnungen sind die Menschheit des Bauwesens: Auf den ersten Blick hübsch anzusehen, aber gleich hinter der ersten Farbschicht tun sich die wahren Abgründe auf. Der Lack bricht, die Fassade bröckelt – und statt wieder nur einzelne Drähte auszutauschen und bei ein paar Stellschrauben zu drehen, bräuchte es eigentlich eine Generalsanierung. Nur wer kann sich das leisten? As usual, eine Frage des Geldes. Andererseits, wann, wenn nicht jetzt? Gibt es jemals wieder die Gelegenheit dazu? Die zukunftsfreundlichere Entscheidung wäre es auf jeden Fall (sofern es eine Zukunft gibt). Weil sonst hast du in zehn Jahren eine ähnliche Baustelle. Und wieder nur Flickwerk in den Wänden. Aber genug Metapheriesierungen, Gesellschaftsumbau ist schließlich eine andere Hausnummer als Wohnungsrenovierung. Oder doch nicht? Also, auf ans Werk! Wo ist nur die Abisolierzange, wo der Vorschlaghammer? Jahrhundertwende ist zwar schön, aber nicht in den Stromleitungen!

 

KW 19/22

Was, es ist schon Mitte Mai? Wie kann das sein? Brauche dringend ein Mittel zur Zeitverlangsamung. Die Große wächst uns über den Kopf und kommt langsam drauf, dass sie uns haushoch überlegen ist. Die Kleine fährt ohne mit der Wimper zu zucken und ohne uns mehrere Tage fort. Die ersten Bär-Abschieds-Konzerte sind schon über die Bühne gegangen, wollten wir vorab nicht ordentlich proben dafür? Und hab’ ich den einen Text schon abgegeben, oder muss ich ihn erst überarbeiten? Möchte die Zeit eh nicht festhalten, dafür gibt’s Fotografie (manchmal leider), und für immer in pubertären Körpern will natürlich auch niemand stecken bleiben. Aber so ein bisschen weniger schnell könnte die Zeit schon verrinnen, oder? Nur um sie aktiv wahrzunehmen und nicht immer nur hinterher zu hecheln. O Tempora, O Mores!

 

KW 18/22

Bin grad ein wenig überfordert mit allem. Bauen unsere Wohnung um, 1000 Entscheidungen sind zu treffen, Stromanschluss hier, Warmwasser da, Farbe X hier. Im Vergleich zu einer großen Baustellen eh harmlos, I know, aber trotzdem viel zu denken. Daneben muss das “normale” Leben ja auch noch gelebt werden. Deadlines für Abgaben nehmen keine Rücksicht auf Wohnraumrenovierungen, genauso wenig wie Payjobs, Proben, Theaterstücke und anstehende Konzerte. Die Kinder natürlich auch nicht. Fragen der Pubertät wollen Antworten. Da musst du dir Zeit nehmen, auch wenn du keine hast. All together ist das schon nicht so wenig. Denke, es ist ok, ab und zu überfordert zu sein. Möchte auch nicht wieder ins Burnout, war nicht so cool dort. Werde mich daher heut ein wenig ausrasten, die nächsten zehn Tage sind durchgehend Arbeit. Muss nur noch schnell die Handwerker einweisen, ein Mail schreiben und dann zu Mittag die Große von der Schule abholen. Uff!

 

KW 17/22

Odyssee in a nutshell: Habe noch einen gültigen Wertgutschein über einen gar nicht so kleinen Betrag eines großen österreichischen Unternehmens. Wollte den letztens beim Bezahlen im Internet einlösen, nur leider haben sie im vergangenen Jahr das Gutscheinsystem umgestellt. Das neue System erlaubt nur 6-stellige Gutscheincodes, mein Code hat aber 9 Stellen. Habe die Hotline angerufen. Nach 30 Minuten in der Warteschleife hat mir eine Mitarbeiterin eine Mailadresse angesagt, wohin ich schreiben soll. Leider war diese Mailadresse aber nicht mehr existent. Nach abermaligen 45 Minuten in der Warteschleife (sehr schöne Melodie) hat mir ein anderer Mitarbeiter erst geglaubt, dass genannte Adresse falsch ist, nachdem ich ihm mehrmals buchstabiert habe, was ich eingetippt hatte. Wieder 15 Minuten später konnte er mir eine andere Adresse nennen. Die gab’s auch wirklich. Zwei Tage später kam auf mein Anliegen, den Gutschein bitte zu refundieren, auch eine Antwort: “Guten Tag, vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir haben Ihren Gutschein geprüft, er ist noch gültig. Bitte lösen Sie ihn einfach in unserem Onlinebezahlsystem ein.” Ok, kurz war ich cool, aber eigentlich… WTF! Schon vergessen, 9 Stellen! Seit meiner höflich formulierten Antwort (“Bitte entschuldigen Sie, wenn ich jetzt etwas ungehalten werde…”) ghosten sie mich eiskalt. Aber noch geb’ ich mich nicht geschlagen. Ich werde diesen Gutschein einlösen, und wenn es das letzte ist, was ich tue.

 

 

KW 16/22

Frage an die Menschen mit Kindern: Sind eure auch so derartige Horter:innen? Es ist mir fast peinlich, aber wir müssen uns externe Kinderbetreuung von Großeltern und Co organisieren, damit wir ab und zu Dinge und Besitztümer, die seit Jahren niemand mehr verwendet, aussortieren, weitergeben oder verschenken können. Mit den Kindern gemeinsam ist das eine undenkbare Unmöglichkeit. Ich mach dann immer so Haufen mit Zeugs und Spielsachen, die sie sich bitte anschauen und gut überlegen sollen, ob sie das wirklich, wirklich noch brauchen. Und wenn der Haufen nur zu 80% wieder ins Regal zurück wandert, bin ich schon mehr als froh.

“Nein, nicht die Babyrassel (mit der ich das letzte Mal als Säugling gerasselt hab’), mit der spiel’ ich doch so gern!” Rassel, rassel, rassel.

“Ach, da ist ja das abgelutschte Eis-Stäbchen, damit wollte ich letzten Sommer was basteln.” Bastel, bastel, bastel.

“Oh, schau wie schnell ich das 4-teilige Katzenpuzzle gelöst hab’! Seit ich zwei bin, ist das mein Lieblingsspiel!” Puzzle, puzzle, puzzle.

Werde ihnen einfach zum nächsten Geburtstag wieder ein paar alten Babyspiele schenken, mal schauen, ob sie sich dann auch noch freuen. Und niemals, niemals sonst wird der Müll so schnell entsorgt, wie wenn sich darin Gebasteltes, Gemaltes und sonstige Kinderkunst befinden. Mit der Zeit und zunehmenden Ansammlungen legen sich auch die Gewissensbisse. Wir Erwachsenen haben dann eher andere Sorgen: “Hast du das Altpapier schon runtergebracht? Schnell, in 10 Minuten kommen sie nach Hause!”

 

 

KW 15/22

Waren diese Woche in Italien. Es war sehr schön, erste Sonnenbrände inklusive. Echt immer wieder beeindruckend, um wie viel besser das Essen ist. Selbst die selbstgekochten Nudeln vom Billigdiskonter sind irgendwie schmackhafter. Warum ist das so? Nur das Urlaubsfeeling? Sogar die grindigsten Tschocherl servieren bestesten Kaffee. Bei uns bekommst du in vergleichbaren Etablissements höchstens Schnaps und einen Bauchstich dazu. Bauchstich kannst du in Italien wahrscheinlich auch haben, aber zumindest der Espresso ist 1A. Was allerdings nicht so schön ist, sind die vielen Österreicher:innen. Du bist automatisch unangenehm berührt, wenn du in einem fremdländischen öffentlichen Verkehrsmittel sitzt, friedlich das Meer und die Möwen bewunderst und dir plötzlich jemand ins Ohr plärrt: “Schau, da vurn is a Kontänaschiff!” Und wenn die Gattin des Erwin-Pröll-Gedächtnisfrisur tragenden Herrn antwortet: “Geh weida, jetzt tua ned so, ois ob’st no nia ans gsehen host.” Eben, bitte, tu nicht so, sei nicht so! Ich brauch’ noch einen Espresso.

 

 

KW 14/22

Fällt es eigentlich noch jemandem schwer, die richtige Balance zu finden, zwischen Ehrgeiz, Realität, Energiehaushalt, Kindern, Zeit und Geld? Schon klar, und wie schon oft angemerkt, es ist natürlich ein Privileg, wenn dir aussuchen kannst, mit was und wann du dein Geld verdienst. Aber so grundsätzlich, was ist das richtige Maß an Anstrengung und Entspannung, wann wird Forderung zur Überforderung und wie lässt sich das halbwegs steuern? Lässt es sich überhaupt steuern? Ist Anspruch automatisch ungesund, oder braucht es gewisse ehrgeizige Motive als Motivationsgrundlage? Grad als Elternteil, also wenn deine verfügbare Tageszeit zu einem beträchtlichen Teil fremdbestimmt wird (jetzt etwas streng formuliert), ist es mitunter schwierig, hier alle Realitäten und Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Was mir manchmal hilft sind Mid-Term-To-Do-Listen. Nicht so unendliche Aufzählungen, was alles bis gestern erledigt werden muss – die ergeben sich eh tagtäglich von selbst – sondern eher mittelfristige Ziele, die ich zum Beispiel bis Ende der kommenden Woche geschafft haben will. Und wenn ich’s nicht schaff’, schieb ich’s in die nächste. Das macht weniger Stress als “harte Listen”, lässt aber genauso wenig vergessen und belohnt auch sehr beim Durchstreichen erledigter Tasks. Zumindest hilft’s mir, mich ein klein weniger weniger gestresst wahrzunehmen. Denn schließlich haben selbst Eltern Gefühle. Auch wenn unsere Kinder das manchmal nicht wahrhaben wollen, wie sie uns gern wissen lassen: “Du bist doch nur ein Vater.” Eben.

 

KW 13/22

Eltern finden sich im Alltag oft in Situationen wieder, die es erfordern, die eigenen Kinder ruhig zu st….äh, zu unterhalten. Vor allem, wenn Handyakku oder Datenvolumen bereits aufgebraucht sind, eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Deshalb hier zur Auflockerung einmal zwei Empfehlungen, falls das gängige Repertoire an Kinder-, Volks- und Weihnachtsliedern und/oder Klatschspielen bereits bis zur Ohnmacht durchgekaut wurde. Lifehack quasi. Für lange U-Bahn- oder Straßenbahnfahrten haben wir zum Beispiel ein Spiel entwickelt, das ich äußerst poetisch “das U-Bahnspiel” nenne: Setzt euch in die Nähe einer Tür und ratet, wie viele Personen bei der nächsten Station einsteigen werden. Jedes Familienmitglied muss ihren/seinen Tipp abgeben, bevor der Wagen in die Station einfährt. Wer der Wahrheit am nächsten ist, bekommt einen Punkt, wer die meisten Punkte beim Aussteigen hat, gewinnt. (Falls zu kompetativ, lässt sich ja auch gemeinsam raten.) Bei langen Fahrten ergeben sich so spannende Kopf-an-Kopf-Rennen und schon oft  geglaubte Sieger:innen wurden auf den letzten Metern haushoch ausgebremst. Wem das zu stressig ist, empfehle ich ein anderes Spiel, dass ich früher sehr gern gespielt habe, präferiert an Sams- oder Sonntagen, wenn die Kinder früh zu und auf uns ins Bett gesprungen sind. Leider besiegt mich mittlerweile vor allem die große Tochter mit Leichtigkeit. Es heißt “Wer länger die Augen zumachen kann”.

 

KW 12/22

Haben diese Woche meine Urgroßmutter verabschiedet. Sie wurde 94 Jahre alt, war körperlich fitter als manch 30-Jährige, nur alles ganz gemerkt hat sie sich nicht mehr. Es ist irgendwie unwirklich, wenn ein Mensch plötzlich nicht mehr da ist. In ihren fast 100 Jahren hat sie Dinge erlebt, die wir uns alle gar nicht vorstellen können. Aufgewachsen ist sie in einer kleinen Sprachinsel im südlichen Slowenien. Die Gottscheer wurden von irgendwelchen Grafen im 14. Jahrhundert dort angesiedelt und dann einfach 600 Jahre lang vergessen. Erst der aufkeimenden (Deutsch-)Nationalismus weckte das Interesse an ihnen, und plötzlich wurde aus den Gottscheern Politik. Bevor sie 20 war, verlor meine Urgroßmutter zwei Zuhause. In den obersteirische Barackensiedlungen fand sie ein neues. Diese großen Anlagen provisorischer Unterkünfte für die vertriebenen und vergessenen Staaten- und Heimatlosen dieser Zeit, blieben jahrzehntelang bestehen. Ähnlich wie heute interessierte sich kaum jemand für den Verlust und die Geschichte dieser Menschen. Als billige Arbeitskräfte waren sie trotzdem willkommen. Die lange Geschichte meiner Urgroßmutter nahm schließlich ein gutes Ende. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz und ihre Kraft, auch in den allerschlimmsten Zeiten die Hoffnung nicht aufzugeben, wäre alles Folgende jedoch nicht möglich gewesen. Ich auch nicht. Möglicherweise hilft es, sich ab und zu zu vergegenwärtigen, wie viele ähnliche Geschichten in jeder Familie stecken. Dann lassen sich die Flüchtenden und Vertriebenen von heute vielleicht gleich mit anderen Augen sehen. Egal woher. Zu wünschen wäre es. Mach’s gut, liebe Amo!

 

 

KW 11/22

Nach 9 Jahren hab’ ich seit letzten Mittwoch erstmals kein offizielles Vereinsamt in unserer Kindergruppe inne. Einerseits: Juhu! Anderseits: Ach! Es war mitunter intensiv und anstrengend, gleichzeitig aber auch sehr super und ich möchte die Zeit und gemachten Erfahrungen um keinen Preis missen. Ein bisschen ist Kindergruppendiplomatie ja ein Modell der großen Welt. Unterschiedliche Bedürfnisse prallen aufeinander, die Hardliner wollen den Schwurbelnden an den Kragen, die Selbstgerechten den zu Lässigen und die Organisierten wundern sich über die Verpeilten. Da den gemeinsamen Nenner zu finden, ist manchmal nicht einfach, lohnt sich aber immer. Key Asset dafür: Kommunikation. Kann nur empfehlen, kümmert euch um eure Kinder und um die von anderen. Das schärft den Blick fürs Ganze und relativiert die eigenen Befindlichkeiten. Allerdings haben wir vor zwei Jahren noch über Backerbsen und die richtige Dosierung von Glitzer beim Spielen gestritten. Heute wird über Hygienemaßnahmen, Teststrategien und atomare Bedrohungen diskutiert und besprochen, ob und wie es die Gruppe stemmen kann, geflüchtete Kinder aufzunehmen. Mach’ mir aber keine Sorgen, die Gruppe ist weiterhin in guten Händen. Und: Ein Hoch auch auf alle Pädagog:innen. Haltet sie in Ehren und zahlt ihnen mehr. Sie sind es, die (neben euch) die Menschheit von Morgen prägen. Oder, um hier auch einmal ein Kind zu Wort kommen zu lassen: “Auch wenn ich ein Ungeheuer bin, liebe ich meine Betreuer:in!”

 

 

KW 10/22

Es gerät aus den Fugen. Neben all dem offensichtlichen Wahnsinn und dem Leid, können auch Gespräche mit deiner Bankberaterin ein Parameter dafür sein. Wenn dir die Bank aktiv eine Lebensversicherungen anbietet und gleichzeitig unverhohlen zugibt, dass der ganze Zaster, den sie im Keller liegen haben, eh nichts mehr wert ist, weshalb du dringend deine mickrigen Cents in Wertpapiere investieren sollst, dann ist offensichtlich grundsätzlich was im Argen. “Zum Beispiel im Sektor Nachhaltigkeit, da haben dann ihre Kinder auch noch was davon!” Screw you! Besonders schlimm an dieser für mich unnachvollziehbaren Welt des Geldes ist, dass sie einfach völlig davon überzeugt ist, die einzig richtige zu sein. Ist aber auch nur eine Bubble von vielen, tatsächlich gibt es mehr als nur monetäre Werte. Hätte ihr gern geantwortet: “I don’t need to sell my soul, he’s already in me!”. Hab’ ich aber nicht, sondern mich bedankt, und mich dann schleunigst meinem neuen Lieblingsinstakanal gewidmet. Bei “Ekekekek” kannst du ausschließlich Katzen sehen, die aufgeregt mit ihrem Kiefern klappern und komische Geräusche machen, weil sie irgendwo ein paar Vögel sehen. Das zum Beispiel sind für mich unbezahlbare Kulturgüter. Werde die Beraterin fragen, ob ich auf hierfür Anleihen erwerben kann. Ekekek!

 

 

KW 9/22

Mussten dem Schulkind erklären, was Jodtabletten sind und warum in der Schule tatsächlich diskutiert wird, wann und wie die Kinder diese einnehmen sollten. WTF?! Wie sehr am Ende ist diese Welt? Ist ja nicht so, dass Klimakrise, Pandemie, soziale Ungleichheit und drohender Wirtschaftskollaps schon genug wären. Packen wir noch Krieg und atomare Bedrohungen drauf. Yeah! Die Menschen sind wirklich das Übelste, was dieser Planet mitmachen musste. Aber, wie schon gesagt, auch wenn die Wirklichkeit ins Wanken gerät, sollten wir die Zuversicht nicht über Bord werfen. So wie die Infantin letztens plötzlich gerufen hat: “Komm, stürzen wir uns ins Abenteuer!” In Ordnung, und geben wir das Beste, damit es auch gut ausgeht!

 

 

KW 8/22

Sind noch völlig perplex aufgrund der Ereignisse in der Ukraine. So ganz fassen können wir das nicht. Das Selbstverständnis und der Glaube an Vernunft, Rationalität und an das Gute geraten ordentlich ins Wanken. Die Kinder nehmen das mit der ihresgleichen üblichen Pragmatik. “Wenn der auch zu uns kommt, schicken wir ihn wieder weg … kann ich jetzt weiterspielen?” Auch ich finde es gerade in diesen post-aufgeklärten und (!) pandemischen Zeiten wichtig, den Fokus auf die vielen positiven Aspekte des Lebens nicht zu verlieren. Trotz oder gerade wegen dem vielen Wahnsinn gilt es, das Schöne, Gute und das Liebe zu sehen. Auch innerfamiliär. Wenn die Kinder zum Beispiel wieder in der Nacht geschlichen kommen und einer von uns Großen ins Kinderbett auswandern muss, ist das zwar mühsam und auf Dauer zehrend – andererseits ist das auch Teil unseres gemeinsamen Weges. Der ist eh nicht sehr lang. Schließlich haben wir nur diese eine Zeit mit ihnen. Und ohne die Anstrengungen, Schrecken und Bedrohungen auszublenden, versuche ich, mich auf das Gute zu konzentrieren. Gelingt nicht immer, aber die Schwere wird merklich leichter. Life-Hack over.

 

 

KW 7/22

Yippie, wieder mal Homeschooling wegen zu vielen Fällen in der Klasse. Ertappe mich dabei, wie ich beim Katzenkloausräumen gedankenverloren den Sand in feine Bahnen reche. Quasi DIY-Zen-Garten. Die innere Ruhe ist auch wichtig, besonders wenn du mit niemals enden wollenden Fragen konfrontiert bist. Schön, wenn Eltern noch als Verkörperung von Weisheit und Wissen gesehen werden, aber nicht alles lässt sich beantworten. Nur leider akzeptieren unsere Kinder diese Tatsache nicht. Hier ein kleiner familiärer Fragenkatalog inklusive möglicher Beantwortungen:

“Wann ist endlich morgen?”

“Nach dem Schlafen.”

“Wie lange dauert das?”

“Circa 8 Stunden.”

“Wie lang sind 8 Stunden?”

“Ungefähr 25 Folgen PJ Masks lang.”

“Warum ist jetzt nicht Frühling?”

“Weil noch Winter ist.”

“Warum regnet es heute nicht?”

“Wegen dem schönen Wetter?”

“Warum gibt es keine Marmelade?”

“Weil wir keine gekauft haben.”

“Gibt es kein anderes Brot?”

“Nein.”

“Muss ich heute in den Kindergarten?”

“Ja.”

“Wann?”

“Gleich.”

“Wann ist gleich?”

“Jetzt! Sofort! Unbedingt!”

 

 

KW 6/22

Schon lustig, wie flexibel unsere Wahrnehmung gegenüber unseren Gewohnheiten sind. Was heute noch selbstverständlich ist, kann morgen schon völlig absurd sein. Im Februar 2020 fand ich zum Beispiel die eine (wissende) Mutter beim Kindergeburtstag, die niemandem die Hand geben wollte, recht seltsam. Und wenn mir heute jemand die Hand entgegenstreckt, erscheint mir das als völlig rücksichtslos. Das zeigt doch schön, wie fluide und konstruiert jegliche Normen sind. Noch schöner wär’s, wenn wir auch von der Normativität in Sachen Liebe, Geschlechtsidentität, Care-Arbeit und Equal Pay etwas leichter wegkommen würden. Hätten wir schon ein paar Sorgen weniger und dafür lass ich auch gern in Zukunft das Händeschütteln weg.

Wenig Sorgen mach’ ich mir über die Street Credibility meiner Kinder. Hatte letztens Kopfschmerzen und die Infantin hat mir diagnostiziert: “Ah, bist du nicht mehr ganz stabil?” Und auf meine Frage, was das bedeutet, hat sie erklärt: “Na ja, dass du einen Sturm im Kopf hast, und das ist nicht sehr cool.” Sie weiß Bescheid, mehr kann ich ihr auch nicht beibringen.

 

 

KW 5/22

Eltern sein heißt, loslassen können. Die eigenen Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse zum Beispiel. Aber manchmal auch den Nähebedarf der eigenen Kinder. Als ich letztens die semi-adoleszente Tochter gefragt hab’, ob sie zum Einschlafen noch was braucht, vielleicht ein bisschen kuscheln oder so, hat sie gemeint: “Weißt du, jeder Mensch hat einen bestimmten Akku an Kuschelzeit. Und mein Akku ist letzt leer.” Oho! Ihre anschmiegsame Zeit ist also aufgebraucht. Hart für mich, aber natürlich in Ordnung, soll so sein. Dass sie dann allerdings die halbe Nacht durch die Wohnung schleicht, und uns um den Verstand und unseren eigenen Schlaf bringt, war allerdings nicht Teil der Abmachung. Irgendwann ist sie dann doch noch zu uns ins Bett gekrochen. Vielleicht war ihr Akku doch nicht leer, vielleicht musste sie ihn aufladen. Solang ich selbst halbwegs zum Schlafen komm’, ist mir das alles recht. Spätestens wenn die/der erste Freund:in mitkommt, hoffe ich, dass die Kinder in ihren eigenen Betten liegen.

 

 

KW 4/22

Die Omikron-Schlinge zieht sich enger. Aus Kindergruppe, Schule und Bekanntenkreis kommen täglich positive Rückmeldungen. Was aktuell nicht so für Freude sorgt. Unweigerlich fühlen wir uns an das berühmte gallische Dorf erinnert. Nur dass die feindlichen Lager nicht Babaorum und Aquarium heißen, sondern Omikron und Delta. Aber genug der kriegerischen Vergleiche. Auch die Gallier haben ja im Prinzip in freundschaftlicher Eintracht mit ihren Besatzern gelebt. Stellt sich nur die Frage, welches Familienmitglied welchem dörflichen Comic-Charakter entspricht. Wer Idefix ist, ist klar, aber ich etwa …STOPP! Bevor mir hier jemand den Troubardix zuschiebt, brechen wir das ab. Beim Belenus!

Apropos Familienmitglied, im Internet hab’ ich gesehen, wie Haustiere ihren Besitzer:innen in Punkto Mental Health unter die Arme greifen. Sich streicheln lassen zum Beispiel. Unsere Katze hat diesbezüglich keinerlei Ambitionen. Eher züchtigt sie mich, wenn ich nicht mit ihr spiele. Ich glaube, sie sieht mich irgendwie als ihresgleichen an. Nur in der Rangordnung deutlich darunter. Miau, immerhin noch eine kleine Spur besser als Idefix!

 

 

KW 3/22

Alle Isolationen krankheitsfrei überstanden, und ein Rest geistiger Gesundheit ist uns – allen Widerständen zum Trotz – auch noch geblieben. Das ist ja schon einmal was. Was in Zeiten wie diesen nicht hoch genug gehalten werden kann, ist die familieninterne Kommunikation. Deshalb hat die Infantin zum Geburtstag endlich WalkieTalkies bekommen. Jetzt sitz ich um Schlafzimmer und sie im Kinderzimmer und funken. “Roger, Roger, kannst du mich hören?” – “Klar und deutlich! Was machst du gerade?”– “Ich spreche mit dir!” – “Ah, gut! Bis später.”
Stundenlang geht das so. Und falls die Frequenzen einmal durcheinander kommen, bleibt ja immer noch die gute alte terrestrische Übertragung, sprich durch die Wohnung schreien: “Papa, ich hab’ Hunger!” Ok! Auch die Grand Dame lässt sich hin und wieder zur Auseinandersetzung mit ihren Vorfahren herab. Auf die Frage, auf was sie denn stolz ist in ihrem Leben, hat sie nonchalant geantwortet: “Ich muss mich eigentlich nur für zwei Dinge schämen: Meine Eltern!” Thank you! Aber alles gut. Die einzige Frage, die sich diese peinlichen Eltern allabendlich stellen ist hingegen: “Wie kann es sein, dass ich jetzt schon soooooo müde bin?!”

 

 

KW 2/22

Ha, da denkst du, schön langsam hast du’s wieder unter Kontrolle und das Leben ist in etwa da, wo du’s haben möchtest und – zack – ruft die Schule an und teilt mit, dass die gesamte Klasse deiner Tochter in Quarantäne ist. Innerhalb zweier Wochen, zweimal Kontaktperson. Kannst du nicht erfinden. Okay, es war absehbar, aber muss das gleich in der ersten Schulwoche sein? Jetzt hoffen wir wiedermal, dass alles negativ bleibt. Positiv denken, negativ bleiben. Laut Vorzeichenregel ergibt Plus plus Minus minus. Das wär in dem Fall eh positiv. Bin schon ganz verwirrt. Verwirrend war auch die Kommunikation mit dem netten slowenischen Mechaniker, der unseren Brummi wieder geflickt hat. Englisch war nicht seine Stärke, wir haben uns aber gut verstanden und ich hatte eine schöne Reise nach Maribor und retour. Leider hab’ ich meinen Pass daheim vergessen. Der Grenzbeamte bei der Wiedereinreise war ganz verzweifelt: “Haben Sie zumindest den Impfpass dabei?” Hatte ich, und  er hat mich weiter gewunken. Schön, wenn Gesundheit vor Staatenzugehörigkeit geht. Vielleicht sind die Vorzeichen dieses Jahres ja doch noch gute Sterne.

 

 

KW 1/22

Was für ein Start ins neue Jahr! Da lädst du einmal in zwei Jahren mehr als 3 Personen ein (es waren 4, alle geimpft und getestet) und dann ereilt dich am übernächsten Tag die frohe Nachricht, dass du K1 bist. Damn you, Virus! Also haben wir unsere Neujahrszelte in Italien abgebaut und uns auf den Heimweg gemacht. Blöd nur, dass das Auto auf halbweg beschlossen hat, es ist genug gefahren. Da stehst du dann im Vollregen in der slowenischen Pampa, alle sind hungrig und nass und eigentlich solltest du ja auch zu niemandem Kontakt haben (K1). Die Kinder haben’s cool genommen und auch die Kellnerin des hiesigen Parkplatz-Etablissements hat sich gefreut. Wahrscheinlich war noch nie jemand so lang im “Café Atmosphere 2000” wie wir. Unser heißgeliebter Brummi wurde dann vom “Autovleka” abgeholt, es war so traurig. Schlussendlich wurden wir gerettet, konnten mit 24h Verspätung sicher unsere Bärenhöhle erreichen und auch die Katze konnte rechtzeitig vor dem Hungertod gefüttert werden. 2022 hat uns schon ordentlich getestet, wir haben bestanden, und auch alle anderen Tests bislang negativ. In dem Fall gut so.

 

 

KW 52/21

Die Niemandswoche zwischen Weihnachten und Neujahr ist die transzendentalste Zeit des Jahres. Uhren sind vollkommen obsolet und niemand weiß, welcher Tag gerade ist. Die Planungen beschränken sich auf Reste essen, schlafen und Geschenke ausprobieren, anprobieren oder montieren. Irgendwann regt sich allerdings das elterliche Gewissen und die Kinder werden zumindest stundenweise zu Aufenthalt an der frischen Luft zwangsverpflichtet. Mit fortgeschrittenem Alter regt das natürlich den Widerstand der zur Obhut Anvertrauten. Dann beginnt das Feilschen. In welchem Verhältnis kann Frischluft in längere Medienzeit gewechselt werden? Schön sind auch die verstohlenen Blicke der Eltern auf ihre Smartphones: Ist schon eine Stunde um? Können wir schon heim? Aber nie, nie, nie würden wir zugeben, dass auch wir viel lieber daheim am Sofa Kekse essen würden, als hier im Dezembernieselregen am Spielplatz zu hocken. Bleibt nur zur hoffen, dass das Kind jetzt kein Stockhaus bauen möchte…

 

 

KW 51/21

Rückblickend hat mir der vorweihnachtliche Ösi-Lockdown doch mehr zugesetzt, als vorab angenommen. Diese absolute Reduktion auf Arbeiten, Kinderbetreuung und Haushalt zehrt schon ordentlich. Vor allem wenn’s dann nach dem “Tagewerk” schon um 16:30 finster und kalt ist. So ohne Austausch, ohne Kaffeehaus und (fast) ohne jegliche Ablenkungen finde ich es dann ungleich schwieriger, die physischen und mentalen Ressourcen wieder aufzufüllen. Geht’s da jemanden ähnlich? Aber jetzt kommt ja das Lichterfest der Liebe, im engen Kreise der Familie, da lernen wir wahrscheinlich schnell wieder Abstand und Distanz zu schätzen. Es braucht eben für alles das richtige Maß. Etwas unangemessen fand wohl auch die mir unbekannte Dame, die nur eine Schallplatte abholen wollte, dass ich ihr gleich über eine Stunde lang meine Schwierigkeiten bei der Strukturierung meines Arbeitstages erläutert habe. Sorry for that, Isolation olé! Happy Holidays euch jedenfalls!

 

 

KW 50/21

Diese Woche war geprägt von Krankenbetreuungslogistik. Diesmal allerdings wegen Impfreaktionen meiner Mitbewohnerinnen. Die Jüngste hatte eigentlich nichts, hat sicher aber solidarisch mit den tatsächlich Kranken gezeigt und ist wegen “einem komischen Gefühl” liebe zuhause geblieben. Sicher ist sicher. Sogar die Katze (die wurde nicht geimpft) hat vehement besondere Fürsorge eingefordert. Okay, vielleicht spinnt sie einfach, sie ist auch nur ein Mensch. Als klassische Lockdownerin findet sie es eher verstörend, wenn wir einmal NICHT daheim sind. Aber grundsätzlich, empfinde nur ich das ständige Jonglieren mit wer wann welches Kind betreut, wer wann arbeiten darf und wo dazwischen noch Zeit für eine/n selbst oder für das Elternpaar allein bleibt, als anstrengend? Oder geht’s eh allen so? Wahrscheinlich! Jedenfalls konnte ich mich im Ansehen meiner Kinder wieder steigern, als uns so ein dreijähriger Spielplatzrowdy drohend ein “Popo Gacka” entgegen geschleudert hat und ich ihn mit einem schlagfertigen “Popo Gacka Lulu” entwaffnet habe. Er war völlig perplex und meine Eigenen haben sich zerkugelt. Wochenhighlight!

 

 

KW 49/21
Gleich zu Beginn der Woche durfte ich genießen, was “aktive Teilhabe” in elternverwaltenden Kindergruppen tatsächlich bedeutet: Fallen die Betreuer:innen aus, bist du das pädagogische Personal. War aber ehrlicherweise ganz nett, auch einmal wirklich den GANZEN TAG mit der Jüngeren zu verbringen. Also auch an ihrem Arbeitsplatz und mit ihren Kolleg:innen. (Ok, mit manchen Eltern möchtest du nicht tauschen, aber wer will das grundsätzlich?) Montag war also ganz im Zeichen des Kindes. Gut so. Dienstag dann kurz davon erholen und versuchen das versäumte Arbeitspensum aufzuholen. Mittwoch war zuerst die Erwachsene krank, Donnerstag dann ich (kein Corona, das haben wir schon erledigt). Freitag große Freude wegen konstanter Kinderbetreuung und Zeit für uns. Um 09:30 hat die Schule angerufen, dass die Ältere krank ist und abzuholen wäre. Hoffe nun, die im Lockdown verlorenen Kräfte dann im Vorweihnachtsstress auftanken zu können. Sonst aber eh alles gut.